Lauf: Bummeliger Sonntagslauf

Guten Morgen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht!

Ich berichte heute von meinem längsten Lauf, den ich im Training bis dato zurückgelegt habe: 14,4 Kilometer. Und jeder Kilometer davon hat mehr oder weniger Spass gemacht, muss ich sagen.

Nach der unmenschlichen Zeitumstellung, hat mein Wecker mich um 7 Uhr sommerlicher Zeitrechnung unbarmherzigst aus dem Bett geschmissen. Ich bin gerne eine Frühaufsteherin, aber die letzten Nächte waren eher wenig erholsam (hmm, ja…Baulärm hielt wenig Erholungswert am gestrigen Samstag um 6:30 Uhr..) und ich hätte nichts dagegen gehabt, heute ein wenig ausschlafen zu können. Aber nope – der lange Lauf verlangte nach mir – ebenso unbarmherzig, wie der Wecker. Erstaunlicherweise bin ich nach 20 Minuten im warmen, kuscheligen Bett dann doch aufgestanden und nach weiteren 40 Minuten war ich soweit restauriert, um auf die Menschheit losgelassen zu werden. Zumindest auf die, die selbst an einem Sonntag um 7 Uhr (winterlicher Zeitrechnung nach) im Prater, meinem heutigen Ziel, zugegen war. Mann hat mich dankenswerterweise in die Sportklubstrasse chauffiert, damit ich noch eine Runde in der Prater Hauptallee drehen kann, bevor ich nach hause laufe. Hin und zurücklaufen würde meine bisherige Leistung dann doch noch etwas übersteigen…

Rein in meine neongelben Schuchis und meine Reflektionsjacke (erstmalig eine Kombi, die zusammenpasst, hihi), Eistee tanken, Kaugummis einstecken, Handy verkabeln und raus aus der Tür. Im Prater angekommen startete ich noch Runtastic und mein neues Hörbuch und fange an, nach kurzem Aufwärmen gen Lusthaus zu traben. Nicht schnell, aber zumindest schneller als nordische Geher.

Die Temperatur von 7 Grad hat sich dank Wind und Nieselregen wirklich nicht so angefühlt. Die Prater Hauptallee war mit ein paar laufenden und gehenden Gestalten gespickt, die mit meiner steigenden Kilometerzahl immer mehr wurden.
Wer die Allee nicht kennt: ca. 4,2 km lang, besteht aus einer großzügigen Straße, parallel zu beiden Seiten Baumreihen, und nochmals dazu parallelverlaufend asphaltierte, schmale Wege. Auf dem Erdstreifen zwischen den Bäumen und den kleinen Wegen sieht man des öfteren Reiter, inkl. Pferd und auch Läufer, die etwas weicheres Terrain bevorzugen.

Ich bin gemütlich bis zum Lusthaus gehoppelt, ziemlich in mein Hörbuch versunken, und nur einmal kurz ob eines offenen Schuhbandels irritiert. Beim Umrunden des Lusthauses (kein zwielichtiges Dienstleistungsgebäude, auch wenn es der Name suggerieren würde, und auch kein Laufhaus, trotz oftmaligen Umlaufens) wurde mir dann klar, dass ich noch etwa 10 Kilometer vor mir hatte, und !fatz! waren meine Beine ein Spürchen schwerer. Ich hab mir aber im Kopf dann klar gemacht, dass perfektes Laufwetter herrscht, und ich eigentlich noch gar nicht müde bin – die elendigliche Länge der Allee, deren Ende man zwar sieht, das aber unerreichbar wirkt und sich weigert auch nur ein Stückchen näher zu kommen, das fordert das Bewusstsein ein bisschen…

Als ich am Rückweg dann beim Stadion vorbeilief, sammelten sich dort ein paar Läufer, und es wurden auch Barrikaden aufgestellt, an manchen Stellen der Strasse – es dürfte irgendein Lauf stattfinden. Aber nicht mit mir, ich gurkte weiter, mit einer unterirdischen Geschwindigkeit. Aber um die geht es heute gar nicht. Ich war absorbiert von meinem Hörbuch, ganz darauf fokussiert, bis ich merkte, dass ich schon abbiegen und von der Hauptallee runtermusste, wenn ich zum Donaukanal gelangen wollte. Gesagt-getan (mit leichten Story-Einbußen bei meinem Buch) und querstraßein zum Donaukanal, und dort Richtung Spittelau am Wasser entlang. Die Strecke bin ich schon öfter gelaufen,…da brachte es nichts, mich selbst anzulügen „Es is gar nicht mehr weit, nur noch eine Brücke – vielleicht..“. Nein, nein, ich wusste, dass noch ca 6 Kilometer mich von einer Dusche, einem Tee und einer Couch trennen. Überraschenderweise wurde ich schneller und mein Wohlfühltempo erreichte ich nach 8 Kilometer – mir nicht so ganz begreiflich, aber es ging dahin 😉

Bei der Friedensbrücke stellte sich der Treppenaufgang als Gemeinheit für meine Haxen dar. Und erst der Aufgang bei der Roßauerkaserne und dann noch die Steigung bei der Berggasse. Uff… aber nachgeben und gehen kam nicht in Frage – jetzt nicht!

Vor der Haustüre nahm ich mein – etwas feuchtes – Handy aus der Jackentasche: 14,4 km in 1:33 Stunden. Und ich war nicht komplett hinüber! War schon ein tolles Gefühl – bis ich bemerkte, dass die Knöpfchen im Lift blinkten… 3 Stockwerke. Stiegen. Vielleicht war ich doch etwas k.o….

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3 Gedanken zu “Lauf: Bummeliger Sonntagslauf

  1. Hallo, fraueleinbummelei, hier mein Gegenbesuch.

    Wie ich lese steckst du noch in den Anfängen der Lauferei, bist deine längste Strecke gelaufen – Glückwunsch dazu ! Kann dir nur den Rat geben, lass‘ dir Zeit, viel Zeit, baue dir ein solides Fundament auf mit Geduld und Freude am Laufen, dann wirst du nie wieder davon lassen.

    Mein Tipp: Versuche auch mal ohne Knopf im Ohr zu laufen, alles um dich herum bewusst aufzunehmen, du verpasst etwas – zu jeder Jahreszeit !

    Verschneite Grüße von der Ostsee ! 😎

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für das freundliche Reinschaun! ich bin zwar schon seit etwa 2011 unterwegs, aber Pausen relativieren die Dauer dann schon. Zudem ist mein „Ziel“ kein Marathon, Dreikampf, o.ä. sondern Laufen so selbstverständlich zu nehmen, wie Zähneputzen. Und was sind 15k/4 Jahre im Leben eines Läufers? 😉
      Laufen ohne Kopfhörer liebe ich! (witzigerweise hab ich einen Post geschrieben diesbezgl., den ich aber noch nicht rausgebracht habe)
      Graupelregnerische und orkanige Grüsse auch aus Wien 🙂

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  2. Du Arme.
    Mein Mann hat nach seinem ersten Halbmarathon so treffend gesagt „Stufen, mein alter Erzfeind“ Aber anscheinend bist du gut raufgekommen, sonst hättest du uns ja nicht davon berichten können.

    Ich hab mich vor den langen Läufen immer gedrückt. Als ich letztes Jahr für den Viertelmarathon trainiert habe, waren die längsten läufe 13 oder 14km. Aber das länsgte waren bei mir 12 ^^ *pfeif*

    Liebe Grüße
    Ente

    Gefällt 1 Person

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