Zugestoppelt

„Brauchst an Hirnschrittmacher?“ fragt mein Vater leicht amüsiert, mit einem Hauch Abfälligkeit jedesmal, wenn ich mich bei meinen Eltern fertig mache, um laufen zu gehen (sie wohnen am Stadtrand, bei der Lobau, aber dazu ein andermal) und mal mein Handy verkabel. Nein, brauche ich nicht. Ich laufe auch sehr gerne, wenn nicht noch lieber, ohne jegliche künstliche Beschallung.

Besonders im Wald genieße ich die Ruhe, die nur gelegentlich durchbrochen wird von Flugzeugen, die die Lobau überfliegen, lausche Wind, Laubrascheln, und Geräuschen im Gebüsch, das durch diversestes Getier ausgelöst wird. Manchmal hört man einen Eichelhäher, dann wieder eine Vielzahl von Singvögeln, denen ich definitiv lieber lausche, als dass sie mir beim Singen zuhören würden, und alles abhängig von der Jahreszeit. Auch die Geräusche, die von einem selbst kommen, können einen faszinieren, und ich rede jetzt bitte nicht von denen, die nach Chili-Konsum auftreten.
Im Winter, wenn alles zugedeckt ist mit einer dicken, flauschig wirkenden Schneedecke, dann liebe ich das Geräusch, das meine Schuhe machen, wenn sie im Weiß versinken (erinnert mich immer an das Geräusch, wenn man Zuckerwatte vom Staberl löst); im Herbst, wenn man durch das Laub knackt und raschelt (erinnert mich an Chips)… aber – ja, jetzt kommt das Aber: Wenn ich in der Stadt zu längeren Läufen aufbreche und noch dazu mitten in einem Hörbuch stecke, dann stopfe ich mir auch gerne meine In-Ear-Kopfhörer einseitig ins Ohr, und verfolge meine Geschichte weiter.

Wie gesagt, ich kann auch ohne externe Unterhaltung gut laufen und langweile mich nicht, auch nicht bei für mich längeren Distanzen, wie 10-13 Kilometer, aber ein gutes Hörbuch lehne ich auch nicht ab. Hingegen Musik kann ich gar nicht lauschen beim Joggen. Dann bekomm ich alle Zuständ‘, japse und keuche und komme total durcheinander mit meinem Lauf- und Atemrhythmus, unabhängig vom Genre. Das muss ein grandioses Bild für Neurologen geben… Also lieber gelegentlich nette Herren und Damen, die mir Bücher vorlesen, zu denen ich sonst nie kommen würde. Dabei ist aber nicht nur der Inhalt des Buches entscheidend. Es hängt zu einem sehr, sehr großen Teil auch vom Sprecher ab, ob mich das Hörbuch anspricht und zukünftig begleiten darf.

Meine bisherige Erfahrung mit diesem Medium beschränkt sich auf die Bücher der John Ceepak-Reihe, geschrieben von Chris Grabenstein und gesprochen von Jeff Woodman. Sie sind in ihrer Originalfassung auf Englisch und genauso hab ich sie auch gehört. Wirklich unterhaltsam, teils spannend, wunderbarer Kurzweil für lange Läufe. Zudem motivieren sie einen noch zusätzlich zum Sport, wenn man sich nur erlaubt weiterzuhören, wenn man röchelnd Runden dreht, oder von Ort A zu B galloppelt.

Es ist mindestens genauso bitter, eine Hörbuchserie zu beenden, und den Protagonisten und dessen Umgebung zu verlassen, wie eine „tatsächliche“ Buchreihe. Das passierte mir letztens, als ich obengenannte Bücher fertiggehört habe.
Aaaaaber (schon wieder ein Aber!) ich habe Nachschub, wenn auch auf Deutsch. Sebastian Fizeks Trilogie, die mit „Das Kind“ beginnt. Der Inhalt wirkt unterhaltsam genug, um anzuspornen – zumindest die ersten 2,5 Stunden. Zu den Sprechern kann ich nur sagen, dass mich Deutsch bei Hörbüchern bissle irritiert, weil die Sprecher immer aufgesetzt wirken und… einige der Sprecher habe ich wiedererkannt. Seis als Synchronstimmen von Serien oder Filmen, oder…. von meinen Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg Kasetten von vor über 20 Jahren. Und DAS is ein bisschen eigen 😉

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