Urlaub von mir, mit mir (und dem Osterhasen)

Wenn ich an gestern, Ostersonntag, zurückdenke, kann ich mich nicht rühren. Einerseits, weil vollgemampft mit Osterschinken im Brotteig, Schoko-Löffeleier, Schokoosterhasen, Striezel und Baiserbusserl mit Schlag (irgendwie muss man ja die Eiweiss von den Striezeldottern verwurschten), andererseits, weil ich unbeabsichtigt um 3 Kilometer länger gelaufen bin als beabsichtigt.

Ich wurde von meiner Momsch gebeten, dass ich mich um den bebroteten Schinken und auch um die Osterstriezel kümmere. Kein Problem! Ich liebe Backen, und Kochen is auch ganz fein. Zudem hab ich gewissermaßen schon Übung im Herumstriezeln (wenn das kein Wort sein sollte – jetzt schon!) und das Gefühl einen seidig-weichen Germklumpen durchzukneten wird nur von dem übertroffen, eine Katze zu streicheln, die deinen Unterarm nicht zerfleischt – Germteig neigt da allerdings weniger dazu.
An ebendiesem Sonntag war es aber auch Zeit für meinen langen Lauf, und ich wollte mich wieder an 12-14 Kilometern versuchen, vor allem, wenn ich die Möglichkeit habe, bei meinen Eltern in der Lobau zu laufen! Meine neue, pimperleinfache GPS-Uhr ist noch dazu angekommen, und die wollte ich auch unbedingt testen. Na no, na ned! Spielzeeeeuuug 😀

Damit sich alles allerdings am Vormittag ausgeht, musste ich meinen Wecker auf eine unchristliche unmenschliche Zeit für einen Ostersonntag stellen: 5 Uhr. Meine Gedanken, zur Zeit des Weckerläutens, enthalte ich dem geneigten Leser vor, zwecks Anstand und so, ne? Sonst ist die ganze gute Etiquette beim Oa*ch.
Sonnenaufgang war, laut Wetterseite, für 6:25h ca geplant – eine Stunde, nachdem ich losgetrabt bin. Nachdem ich über keine Stirnlampe verfüge, und schon öfters von diversem Getier im Wald bei Dämmerung verfolgt wurde, wollte ich die erste halbe/dreiviertel Stunde meines Laufes zwischen den Häusern verbringen – noch mit Hörbuch. Bei diesem merkte ich zunehmend, dass mich deutsche Sprecher wirklich irritieren. Sie packen zu viel offensichtlich gespielte Dramaturgie in ihre Stimme. Rosamund Pilcher- und Reich und Schön-Feeling lässt grüßen, auch wenn der Plot nicht vergleichbar ist… Auf meinen noch unaufgewärmten Runden auf der Strasse begegnete ich nur einer Person, die mich anschaute, als ob ich von Sinnen wär: der Zeitungsmensch. Aber er grüßte freundlich, was ihn schon von der Mehrheit der normalen Bevölerung positiv abgrenzte.

Endlich wurde es ein wenig lichter, sodass man schon ohne der Straßenbeleuchtung gut seine Füße sehen konnte. Ich packte meinen Audioplayer weg, und lief gen Wald. Kauf überquerte ich die Brücke über das Gewässerchen Lo, war die Luft erfüllt vom Gesang vob Singvogerln, vom Rufen eines Uhus…fast schon zu laut 😉

Nein, es war traumhaft. Ruhe. Fußstapfen. Vogelzwitschern. Blätterrauschen.Nichts. Lobau37

Kaum war mein Hörbuch weg, lief es sich grandios einfach. Ich wollte es ausnützen, hier laufen zu können, und hab mir meine Route im Kopf nicht überlegt, sondern bin einfach los. Da ich hier aufgewachsen bin, und des öfteren schon hier geradelt war, kenne ich mich natürlich in dem Grätzel aus – ich weiß auch, wie weit ungefähr welche Strecke und welches Wegerl sind, also: los!

Kieswege, ausgetretene, grasbewachsene Wege, fast gefrorene Erde, rauf, runter, buckelig – es war ein abwechslungsreicher Lauf, eine Wohltat für die asphaltgewohnten Fußerl, und auch für den Kopf.

Man muss sich ja doch mehr auf den Weg konzentrieren. Und genau da merkte ich, dass Laufen Urlaub von sich, mit sich ist. Der Kopf schaltet ab (egal wie lange), man setzt einen Fuß vor den anderen, die Geschwindigkeit pendelt sich ein, und man spürt sich, spürt sich aber doch nicht, ist weit weg. Einzlne Eindrücke, die kalte, frische Luft, der Rauhreif am Gras, die Knospen udn zarten Blätter an den Sträuchern udn Bäumen, die Sonnenstrahlen, die ihre Farbe wechseln, der Bärlauch, der sogar bei 0°C intensiv duftet…verschmelzen nach und nach zu einem ganzen und machen solche Läufe zu etwas Einzigartigem.

Lobau59

Bis ich von einem Vieh aus meinen Gedanken gerissen wurde, das sich penetrant vor mich pflanzte: Etwa Rauhhaardackel-groß, Blumerl und Löffel: ein Hase! Nur 3 Meter entfernt! Osterlauf mit Osterhase? Check! Hoppelte dann aber schnell weiter. Mein Hecheln und Keuchen hat ihn wohl verscheucht.

Für die null Grad, die es hatte, war ich etwas frisch angezogen. Handschuhe hatte ich in der Stadt vergessen. Es stellte sich daher als herausfordernd dar, meine Uhr abzulesen, da meine Finger so kalt und starr waren – gut, dann ned, dacht ich mir, stülpte meine Ärmel wieder über die Finger und trottete weiter. Irgendwann wurde ich dann doch recht müde – körperlich. Da war ich schon in bekannten, sehr häufig belaufenen Gefielden und wusste, dass ich nur noch 15 Minuten heimbrauchte. Lobau34

Zuhause dann staunte ich nicht schlecht, als meine Uhr 17k und 1:50h anzeigte! Ohne Wehwehtscherl, Zwicken oder Zwacken im Bewegungsapparat. Das war so nicht geplant! Ich mein, ich bin ziemlich stolz drauf, aber ich hab ur Schiss vorm Übertraining, also die kommenden Tage mal locker-leicht gestalten, gut dehnen, stabilisieren und sollt funzen.

Schön wars! Das Herumstriezeln war danach nicht unbedingt einfacher, und die kleinen Hefepilzchen sind sicher erschrocken, als meine eisigkalten Hände sie durchkneten wollten, aber futtertechnisch war beim Osterbrunch nichts vor mir sicher…

PS.: Motiviert durch dich, ultraistgut, hab ich vor dem Lauf auch eine Banane und einige Cashewkerne verdückt – hatte glaub ich auch eine gute Wirkung 🙂

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7 Gedanken zu “Urlaub von mir, mit mir (und dem Osterhasen)

  1. 12-14 km geplant und 17 km gelaufen. Holla, das ist aber ein Unterschied. Dann mach mal schön langsam in den nächsten Tagen.
    Ich laufe nicht im Wald. Ja, es ist dort total sicher. Aber ich bin dort einfach nicht gern allein. Dann bin ich total unentspannt und kann die Natur sowieso nicht genießen. Aber ich stelle es mir toll vor!

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    1. Gestern hab ich eh ncihts gemacht, heute vielleicht ein bisschen vor mich hin traben..oder Radeln, oder – Moment – ich glaub, die Couch ruft!
      Hast du jemanden, der mit dir gemeinsam laufen würde? Ich hab sogar eher in der Stadt mehr Bammel, als im Wald…da kann ich meist schwer abschlaten. Interessant, wie unterschiedlich man sein kann 🙂

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  2. Du solltest deine Blogtexte VORLESEN und nicht schreiben…der Dialekt liest sich schon so überaus charmant, das wäre bestimmt ein Ohrenschmaus 😉
    Aber auch so macht’s total Spass zu lesen – und die Fotos sind tippi-toppi 😉

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  3. Motiviert durch mich, ultraistgut, das liest sich wahrhaft gut und gefällt mir auch gut, wenn mir das Motivieren gelingt ! Daumen hoch und vielen Dank.

    Was lese ich da, du legst das Hörbuch zur Seite, vernimmst alles, was sich in der Natur regt, was Töne von sich gibt und genießt es !! Bravissimo, sag‘ ich doch – Hörbücher mögen ja ganz unterhaltend und vielleicht auch lehrreich sein, aber es geht doch nichts über Natur pur – oder ❓

    Ganz schön früh, aber auch das hat, wie ich sehr wohl weiß, viele Vorteile !!

    Ansonsten gut gemacht, kannst auch stolz auf dich sein, ebenso gut, dass du Angst hast vor Übertraining, lieber zu wenig, als zu viel – kurzum – alles richtig gemacht, und wenn du Motivation brauchst in irgendeiner Form -♥-lichen willkommen ! 😉

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