Hindernislauf am Donaukanal

Strahlendster Sonnenschein, 20 Grad, umwerfende Wolkerl am babyblauen Himmel, blühende Sträucher und Bäume, die streckenweise den Donaukanal säumen…Herrlich! *räusper* Ja, ganz toll. Prima…oder so.

Nach Dienstende am Nachmittag musste ich mich doch geradezu in mein Laufgewand schälen und eine Runde hoppeln gehen. Meine Beine waren Muskelkater-frei, leicht (verhältnismäßig für 5 Stunden non-stop Stehen) und wollten hinaus, in die Sonne, sich bewegen.
Njaaa, was soll ich denn sagen? Ich war nicht die einzige, die diese famose Idee hatte. Fast ganz Wien inkl. Touristen, so schien es, saß auf der Ostseite des Kanals aufgereiht, wie Fliegen. Der Rest fuhr Rad, ging spazieren oder joggte an eben jener „Promenade“.
Unter anderem die bekannten Mütter, die in Dreierreihe eine Kinderwagerlbarrikade aufstellten, damit ja kein Läufer, geschweige dem ein Radfahrer passieren kann. Auf sanftestes Hinweisen eines Passanten wurde gezetert, weil, was erlaubt sich wer, den Tratsch zu unterbrechen?
Weiters trifft man auf die ubiquitären Hundebesitzer mit Schnappleine, die Stolperfallen par excellence darstellen, inkl. zickzacklaufendem Wollknäul, das wahrscheinlich gegen Kanalratten winzig aussieht. Dann gibts noch die Ansammlungen von Jugendlichen, die sich nur wenig in ihrem Gehabe von Bauarbeitergrüppchen unterscheiden: blöde Kommentare und Nachäfffen gibts bei beiden en mass. Ältere Damen, die ohne nach hinten oder vorn zu schaun, quer herumwandern, untergehackt bei meist moch älteren Damen. Last, but not least, das kleine Völkchen, das Sport betreibt: Radfahrer und Jogger/Läufer. Walker hab ich heute keinen einzigen beobachten können.

Ich persönlich hab mich schon gefreut, heute meine Spenkel (Speckschenkel – von Mann so bezeichnet) Äußerl führen zu gehen. Was passierte? Es war im Endeffekt einer der unangenehmsten Läufe dieses Jahr, und auch einer der absolut mühsamsten! Die letztwöchigen 17 Kilometer waren ein Lercherlschas – pardon – dagegen!

Was ich jedes Jahr komplett vergesse/gekonnt ignoriere/leugne: Meine Nase und beide Augen haben sich angestellt, als hätten sie einen Staffel-Platz beim Vienna City Marathon ergattert: sie liefen, und liefen und liefen. Die aufwachende Blütenpracht hat leider massiv muköse Folgen in meinem Respirationstrakt. Luft? Ha! Wer braucht das schon? Wenn ich keine Luft bekomm, vielleicht reagiert mein Körper dann, wie bei Höhentraining, und meine Nieren machen einen Nachschub an Erythropoetin? Hm, vermutlich nicht.
Der O2-Mangel hatte Schnaufen zur Folge. Und Gesichtsröte. Wobei, die war zum Großteil wohl eher von der subjektiv so aufgefassten Hitze hervorgerufen. Guter Kontrast zu meinen neongelben Schuhen. Alteeeer! Es war so heiß! Und ich intelligentes Kind wubbel auch noch auf die sonnigere Seite des Kanals (nur um bei der nächsten Brücke auf die schattigere zu wechseln. Schon tomatenrot.). Wenn man die letzten Monate hauptsächlich bei 0°C läuft, und letzten Sonntag bei -2°C und heute dann bei 20°C – ja, ich hab dann eingesehen, dass mit Tempotraining oder irgendsoetwas wohl nüscht wird heute. Nicht mitten im Lauf die Luft verlieren – oder beide Beine – das war mein Ziel für heute. Ein Rhino, das am Kanal entlangtänzelt hätte mehr Anmut versprüht, als ich heute mit meinen zunehmend schwerer werdenden Dinostampfern. Hier hab ich meine Armhaltung auch heute in T-Rex-Manier angepasst. Unbeabsichtigt.

the blerch
Aufs Tragen dieses Shirts hab ich mich schon geferut: The Oatmeal’s Blerch

Nachdem ich auf die Schattenseite gewechselt hab, wurde der Lauf aber wirklich besser. Mein Körper hat sich akklimatisiert (oder es zumindest versucht) und ich bin einfach gelaufen. Es waren hier deutlich weniger Leute unterwegs, was die Situation für mcih auch entschärft hat, bis zu einem gewissen Grad.

Letztendlich bin ich dann aber doch bissle überrascht gewesen, als ich bei Runtastic gesehn hab, dass ich meine 7 Kilometer bisschen schneller absolviert hatte, als gedacht. War ziemlich stolz, dass ich den Lauf dann doch ncoh durchgedrückt hab. Rückblickend wars doch unterhaltsam. Rückblickend. 😉

Post scriptum: Das Titelbild entstand um 8 in der Früh. Tolle Aussicht, heut nur bissle diesig… Mein T-Shirt entstammt eines genialen Buches von The Oatmeal The terrible and wonderful reasons why I run long distances“. Absolutely recommendable and so very true…

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3 Gedanken zu “Hindernislauf am Donaukanal

  1. An manchen Tagen komme ich mir als Läufer von der Allgemeinheit gehasst vor – da verstehe ich deinen Hindernislauf gut. Die Leute schauen in ihre Handys (Hundebesitzer, Mütter mit Kinderwägen) oder schlagen unerwartet Haken – heute eine ältere Dame mit Einkaufswagerl …

    Nicht unterkriegen lassen, noch schneller vorbei laufen und aus dem Gedächtnis tilgen.

    Liebe Grüße,
    Markus

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, da hast recht! Sowohl mit dem gehasst, als auch mim schneller Vorbeilaufen (und allen Handy-Zombies ausweichen)
      Ärgern bringts nicht echt, Weiterlaufen und sich freuen, dass man ein kleines Reaktionstraining mitbekommt 😉 (Is aber manchmal nach ner Stunde schon ne Herausforderung, mMn)

      Liebe Grüße!

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