Quarantäne in der Toskana

Heute, und vermutlich auch beim nächsten, oder gar übernächsten Mal, ein Bericht aus einem anderen Ländle. Seit Freitag, bin ich in Quarantäne, die noch in etwa zehn Tage andauert. Die Aussiedelung ging nach Italien, genauer gesagt Buggiano, das sich in der Nähe von Montecatini Terme auf einem Hügel, Berg, was auch immer, zwischen die Olivenhaine geschummelt hat. Wobei, nein, so stimmt das auch nicht, da es sich noch vor einiger Zeit um Weinanbau, anstelle der Oliven gehandelt hat. Von den Produkten her ist mir das herzlich egal: weder Wein, noch Oliven vermögen es, meinen Gaumen zu erfreuen, hach ja!

Ich finde nur die Aussicht auf Olivenbäume irgendwie ansprechender, als auf Weinrebenreihen; auch wenn die Bäume – dem Geräusch nach – täglich beschnitten werden müssen. Ob Wochen- oder Feiertags, früh des Morgens oder spät des Abends: Kreissägen hört man, manchmal näher, manchmal ferner, nahezu immer. Und auch nahezu immer will man die sägende Person mit Olivenkernen bewerfen. Das mag jetzt nicht sehr freundlich sein, aber irgendwann hat man das Geräusch in seinen eigenen Tinnitus eingebaut.

Das Wetter kratzt mittags eher an der sonnigen 30°C-Marke, und lässt einen in Sessel und Liegestuhl einschmelzen, aber in der Früh hat es hier knackige 10-12°C. Das ist auch der Grund, warum ich mir die Morgenstunden zum Dahinhoppeln ausgesucht habe. Ich war bereits hier, vor drei Jahren, als ich gerade noch gelaufen bin (vor meiner längeren Pause), mit weniger Kondition und Kraft als heutzutage, was eine angenehme Streckenfindung auch sehr schwierig gestaltete.

Die hiesigen landschaftlichen Verhältnisse lassen es entweder zu, dass man a) laaaaange bergauf- und dann genauso laaaange bergabhumpelt; b) ewige Zeit bergab läuft, und irgendwann dann mal ins flachere Gelände, und in die Ortschaft kommt; c) einmal schaut, was gpsies&Co zu bieten haben, da ich auch nicht die Ortskundigste bin. Mit meinem Italienisch komm ich auch nicht weiter, als Lasagne, Pasta und Giotto. Und was diverse Gigi D’Agostino Lieder zu bieten haben, an lyrischem Material. Also richtig Unterhaltungstauglich…

Ich trau mir schon zu, dass ich bisserl was an Höhenmetern wegsteck, nur das Hinablaufen muss dann immer ins Gehen umgewandelt werden, da ich ein bisschen ein Schisser bin, wegen meiner Knie. Ich wollte aber auch nicht extra mit dem Auto in die Ortschaft fahren, um dort zu laufen, aaalso Variante c) ze internet! Wo ich zu meinem Erstaunen auch eine Laufstrecke von genau dieser Gegend gefunden habe – Straße, Wirtschaftswege, Waldwege,…warum denn nicht? Mehr als mich zu verlaufen und dann die Telephonanbieter mit Roaminggebühren zu sponsern, wenn ich mein Handy verwende, kann auch nicht passieren. Wobei ich auch eine Äpp hab, die offline Unwissenden ihre Karten offenbart, aber pssscht!.

Zu meiner gewohnten Zeit, also, zu früh, hab ich mich aus dem Bett gewuzelt, und noch in der grazielen Fallbewegung bin ich in mein Laufzeug gerutscht. Shorts, Shirt, und meine Laufweste drüber, um Handy, Kaugummis und Taschentücher zu verstauen. Normal das ganze ohne Smartphone, aber weil Verlaufen udn weil Bilder hab ich das Kastl doch eingesteckt. Und gut wars, gestehe ich…

Schon beim Verlassen des Hauses hab ich gleichmal die erste Einfahrt, anstelle einer Strasse erwischt. Das Fiese hier ist ja, dass es so viele Einfahrten gibt, die wie kleine Strasserl aussehen, und auch ähnlich lang sind, letzten Endes aber nur zu einem Grundstück führen. Gleich mal mit ordentlich Steigung, zum Warmwerden. Nachdem ich dann umgekehrt war, hab ich zumindest da den offenbar richtigen Weg erwischt und bin mal ein Stückchen gelaufen – bergauf, und das durchgehend fürs Erste. Als ich nach dem nächsten kleinen Örtchen die Abzweigung auf die nichtasphaltierten Wege entdeckt habe, bereute ich es, nicht meine GTX Trails mitgebracht zu haben: kniehohe Gräser, nass vom Tau, und Rutschvergnügen auf Katzenkopfpflaster – ebenfalls mit Gräsern und Moosen durchzogen.

Gut, das war dann so mal nix für mich, da nach exakt vier Laufschritten meine Saucony-Patscherl und die darinbefindlichen Fußerl nass waren. Grausliches Gefühl. Besonders wenn nass-kalt, wobei ich jetzt warm-nass auch nicht so mit den größten Glücksgefühlen verbinde – insbesondere auf den Beinanhängseln…

Ab dann bin ich eigentlich hauptsächlich auf der „Haupt“strasse auf den Hügeln entlanggelaufen, bis ich umgekehrt bin und noch eine kleine Nebenstrasse ausprobiert habe: Sie sah zu hübsch aus, und es war eigentlich ziemlich fein, dort zu laufen – bis sie im Olivenbaum-Nichts endete, und ich wieder in waschelnassem Gras versunken wäre. Also, stilvoll umdrehen und zurück! Glücklicherweise sind kaum Menschen aus dem Haus, wenn ich laufen geh…

Nach langem Bergab und kurzem Bergauf bin ich wieder in meiner Residenz gewesen. Anfangs konnte ich auf Nebel hinabblicken, was die schönen Bilder ergeben hat – aber beim Heimkommen bin ich dann geradewegs in die Suppe hineingelaufen, war aber trotzdem ziemlich schön! Beim nächsten Mal eine leicht abgewandelte Route… zum Laufen eher Mau, aber landschaftlich – schaut selbst:

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Zum Frühstück hab ich mir dann ein Porridge gebastelt und in einer Bialetti Kaffee. Beides grandios, wenn man auf der Veranda mampft und nach dem Duschen eigentlich wieder gut durchgefroren ist. Ein Extra, das es in Wien noch nicht wirklich gibt: Erdbeeren, die nicht nach Gurke schmecken!

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P.S.: Internet ist hier, wie alles in Italien, eher langsam, und macht gerne Siesta – allerdings 24 Stunden am Tag, und nicht nur von halb eins bis vier. Ich werd ne Menge nachzulesen haben 🙂

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8 Gedanken zu “Quarantäne in der Toskana

  1. Oh, Urlaub in der Toskana, sehr schön! Der Nebel morgens in den Tälern ist doch eine Augenweide. Laufen dort in der Tat eine (schöne) Herausforderung. Wir waren auch mal auf einem Olivengut und die ganzen 14 Tage konnte ich wählen – bergauf und dann irgendwann Rückkehr des gleichen Weges oder eben bergrunter aber auch ohne Wahlmöglichkeiten. Aber schön ists in jedem Fall. Tolle Zeit wünsche ich Dir.

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    1. Ich dank dir!
      Landschaftlich wirklich ein Traum, und die Vögerl zwischern in der Früh echt noch um die Wette.
      Jap, genauso, wie du es beschreibst, ists. Wenn man ausm Flachen kommt, wie Wien, bedarf es einiger Gewöhnung.
      LG

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  2. Ach, zauberhaft…was für eine Traumlandschaft 😉 Und Madame logiert also in einer „Residenz“ – nobel, nobel 😉
    Ich war vorgestern in der Eifel unterwegs und im Frühstücksraum der Herberge traf ich einen Herrn aus Wien und hatte schon „Ach, dann kennst du sicher das Fräulein Bummelei“ auf der Zunge 😉

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    1. Ja, ja, vor allem, wenn der Nebel in der Luft hängt und man die verschieden entfernten Hügel in der Fernsesieht, die nur durch nebliges Tal getrennt sind… da kann man sich für manche Fantasy Romane die Landschaft zusammenbuchseln. Die „Residenz“, hihi.. ist ein uraltes „Bauernhaus“ – werd ich auch noch Bilder auf die Seite gatschen, is doch sehr urig/schön.

      Wenn das ein echter Wiener war, hoff ich, dass er mich nicht kennt – im besten Falle hab ich was angestellt, hihi… berühmt vs. berüchtigt, und so, ne? 😉

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  3. Es gibt schlechtere Ort, um in Quarantäne zu gehen, ohne Zweifel! 😆

    Viel Freude noch in diesem schönen Landstrich. Wenn wir nicht mehr von dir lesen sollten, schicken wir eine Suchtrupp los! 😉

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    1. Wenn ich mich nicht mehr melden sollte, dann lieg ich entweder irgendwo im Olivenbusch, vollgemampft mit Foccaccia, oder ich wurde von einem Piaggio niedergestreckt. Seis durch deren Abgase, oder weil enge Strasse 😉
      Dankeschön!

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  4. Wo du aber auch ständig dein “ Unwesen “ treibst, auch noch in der wunderschönen Toskana, da würde ich auch gerne mal wieder hin, vor allem das italienische Flair, das gute Essen, den hervorragenden Wein – genießen – und du bist einfach so dort, sag‘ bitte nicht, dass ich dir das nicht gönnen würde !! 😉

    Dazu noch laufen – hast das große Los gezogen !

    Na dann, Grüße nach ganz unten von ganz oben 😎

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    1. Jaa, momentan bin ich ein bisschen unterwegs – das Ende des Studiums naht, und ich nutze die Lücken, die sonst von Praktika oder Vorlesungen gefüllt waren – oder zu guter Letzt von der Diplomarbeit.
      ich drücke dir die Daumen, dass du auch bald wieder einmal die italienische Luft schnuppern kannst!
      Leider kann ich keinen „Wein für dich mittrinken“, aber ich werd ein bisschen Italienisch für dich mitessen 😉

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