Alternativer Wecker und Puddingbeine

Beim tiefen Einatmen das Gefühl zu haben, die Lunge bis in die Spitzen mit frischer Luft zu füllen, die Atemhilfsmuskulatur rund um den Brustkorb zu spüren, Beine und Popsch erinnern von der Konsistenz an festeren Vanillepudding/Crème brûlée und man ist herrlich leer im Kopf. Der Rücken entspannt, die Arme baumelig – gerade noch so viel Spannung den heißen Tee nicht über den Schoss kippen zu lassen.

Jop. So fühlts sich bei mir nach einem längeren und/oder anstrengenden Lauf an. Und genau dieses Gefühl ist schon im Alleingang eine riesige Belohnung für mich – das Frühstück, das heute noch nach meinem Läufchen gefolgt hat, das war noch die grausig-leckere chemisch-süße Kandiskirsche auf einem „Lauf“-Eisbecher.

Und dabei war ich heute in der Früh in Mordstimmung. Ich wurde um 5:15 Uhr geweckt. Oki, ja, mein Wecker war auf 5:45 Uhr gestellt, weil es dann draussen einfach traumhaft ist, aber um 5:15 Uhr unfreiwillig geweckt zu werden, ist nicht in Ordnung. Von einer Gelse. Ich bin ja tierlieb, und passe auf, dass ich auf keine Ameisen trete, und Schneckis verschone beim Spazieren und Radfahren, aber dieses verdammte *PIIIEEEEEPS*-viech hat sich einen Spass draus gemacht, von einem Ohr zum nächsten zu summen – gefühlt die direkte Verbindung durch den Hohlraum zwischen beiden Ohrwascheln nehmend – um dann kurzzitig wieder zu verstummen. Mein manisches Decken und Armgewachel hat das Insekt zwar davon abgehalten, dass es sich genüsslich auf mir niederlässt um mich zu piesaken, aber es tat meinem Schlaf nicht so gut. Ich war also wach. Munter und luzide im Leben nicht aber wach. So wach, dass ich dann nicht mehr einschlafen konnte, als es still m´war. Endgültig still. Waaargh!

Aber an Schlaf war nicht mehr zu denken. Gut, „Denken“ war da um die Uhrzeit noch ein Fremdwort für mich. Also in Zeitlupentempo Decke zurückschlagen, Beine aus dem Bett hieven, fluchen, weil der Boden und alles andere so kalt waren, und die vier Stufen aus dem Schlafzimmer mit Hilfe des Handlaufs hinaufschleppen.

Wie ein rostiges Taschenmesser hab ich mich gefühlt und mich selbst ausgelacht, bei dem Gedanken in Kürze Sport zu treiben. Brutal war noch der Blick in den Spiegel, aber als ich dann nach Aeonen in meinen Laufsachen dastand und mich warmhüpfte und ausfallschrittete, da hatte ich zumindes wieder den vagen Eindruck, menschlicher Natur zu sein. Müder, kaputter menschlicher Natur, aber zumindest kein schweizer Multifunktionswerkzeug mit zig Schichten an Rost. Also los!

Auf der Strada provinciale ist um 6 Uhr noch kein reger Verkehr zu erwarten (soll heißen, 1 Auto alle 20 Minuten, und nicht wie sonst, alle 5 Minuten 😉 ), so konnte ich in aller Ruhe den Vogerl lauschen, die selbst noch ein bisserl nachtschlafen gewirkt haben. Ich wollte zwar mein Hörbuch weiterverfolgen, aber das hätte ich mit meinem Natur-Ich nicht vereinbaren können, hat sich aber auch als vollkommen richtig herausgestellt.

Stetiges, mäßiges Bergauf, diesmal mit nur einer Pause (!) bis Massa. Es geht nur ungefähr 300 Meter durch das Dörfel durch, aber das ist die längste plane Strecke auf meiner Route, und die genieße ich, hihi… They see me rollin‘…hehe… und vom dortigen Ende, an dem man sonst eher runterkugeln, als laufen tät, zurück und abbiegen, auf die nächste Strada provinciale, Richtung Cozzile.

Uff! Das dortige Bergauf war kein Schmutz nicht! Mein Keuchen hätte, zur Uhrzeit passend, sicher gut die Weckfunktion eines jeden Weckers ersetzt, wenn die Leut nur ihre Fenster offen gelassen hätten. Mich muss man schon Schnaufen gehört haben, bevor ich die nächste Serpentine überhaupt sehen konnte! Nach 2 Kilometern RICHTIG bergauflaufen hab ich mir dann aber gesagt, dass ich nicht übertreiben muss. Besonders weil beide Knie unterhalb der Kniescheibe bisschen gezwickt haben, zeitweise, und das brauch ich nun echt ned…außerdem ist mir mein Schlecker bis zum Boden gehängt – aber Knieaua klingt halt doch besser, als „Luft is alle“.

Bis zur Abzeigung Massa/Cozzile bin ich dann eher getrippel-trappelt, dafür konnte ich ab dann ganz gemütlich mal mehr mal weniger leicht bergschlurfen. Es waren dann schon bissl mehr Autos unterwegs, inklusive eines Schubusses. Wobei ich echt ned weiß, wie der sich die engen Kurven da rauf und runterschlängeln kann… also hab ich mir mein Hörbuch doch erlaubt, in einem Ohr. Das andere muss freibleiben, damit ich nicht komplett den Faden zur Umwelt verlier.

Als ich dann wieder das Castello gesehen habe, musste ich noch mit einem kleinen Anstieg rangeln, aber der hat mir wenigstens wieder aufgezeigt, dass meine Tour doch nicht so leicht war. Egal wie sehr ich bergaufrobbe, wenn ich dann hinunter galloppel denk ich mir „Ah geh..da wär schon noch bissl was gangen!“, in der Art zzzzaaaaaapppp! Komplett geblitzdingst, was die vorangehende Anstrengung anbelangt. Nicht so aber, wenn ich am Ende einen Anstieg hab, wie hier. Das ist schon gut so.

Das Dehnen war eine Wohltat und der heiße Kaffee und die präfrühstücksBanane erst! Das Duschen war eher weniger toll, da sich in dem altenHaus hier das Wasser nicht entscheiden kann, ob es kochend heiß und plätschernd aus der Düse kommen soll oder ob der Duschkopf mit vollem Karacho Eiswürferl auf einen niederprasseln lassen soll. Eiswürferl it is… da lässt sich wenigestens die Beine besser rasieren, hihi..ausser man schneidet sich wegen der Ganslhaut ganze Hautareale gleich mit weg.

Gemittelt, mit nem Streckenrechner im weltweiten Netz und meiner Uhr hab ich in etwa 11 Kilometer mit 200 Höhenmetern zurückgelegt. Fühlt sich auch genauso an. Pudding. Alles.
Ich bin so froh, dass ich mich zumindest ein paar Male selbstgequält hab im Lainzer Tiergarten, sonst hätt das hier wenig Unterhaltungswert. So ists aber eine ziemliche Herausforderung für mich, gepaart mit geilem Ausblick und Vogelgezwitscher (und massenhaft Pollen..*schnief*)

Und hier noch ein paar Bildchen. Die Gräser, Blümle Sträucher, die am Strassenrand wachsen, haben es mir besonders angetan. Als halbertes Stadtkind hab ich schon lange nicht mehr so viele verschiedene Pflanzerl auf einem Haufen gesehen..sooooo schön bunt und lebendig ❤

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P.S: Da hatte ich bei meinem ersten lauf Glück, dass ich noch alle Bäume fotographiert habe – wurden am Wegesrand ziemlich kahlgestutzt.

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6 Gedanken zu “Alternativer Wecker und Puddingbeine

  1. Brutal geweckt – und das Beste daraus gemacht. So ein früher Lauf hat doch was! Danach schmeckt das Frühstück doppelt so gut. 🙂
    Aber auf die eiskalte Dusche vorweg hätte ich gut verzichten können. 😯
    Liebe Grüße
    Bianca

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  2. Ach, so schöne Bilder (hier bitte einen Herzchensmilie hindenken)
    Ich muss ja unter der Woche immer schon um 5 Uhr raus und kann mich an freien Tagen nicht aufraffen, „früher Vogel“ (bzw. frühes Vogerl) zu spielen – aber immer wenn ich solche Impressionen sehe, nehme ich es mir zumindest vor 😉

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    1. Uffz, wenn ich um 5 Uhr aufmüsste, dann würde ich die Resttage auch zum Schlafen verwenden. Und zwar durchgehend. Mit Schild an der Tür, dass man von einem hibernierenden Grizzly gefressen wird, wenn man es wagt zu läuten…
      Andererseits… ists schon schön, wenn alles gerade so aufwacht 🙂
      Ich lauf gern in der Früh, und hab noch die Zeit dazu, dann hau ich ein paar extra „Morgen“bilder für dich rein ;D

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      1. Vielleicht, vielleicht, vielleicht…steh‘ ich Sonntag ja auch mal so früh auf.
        Aber eigentlich lasse ich doch lieber DICH die Fotos machen und gucke sie mir dann ganz ausgeschlafen am PC an ;))

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