Mondseelauf 2015: Damn, you’re hot!

Man merke sich: einen 10K zu laufen, wenn man eine mehrtägige, bisweilen heftige, Magendarmverstimmung weitestgehend hinter sich hat, und das Training hauptsächlich in unmittelbarer Nahumgebung des porzellanernen Throns stattgefunden hat, macht nur bedingt Laune. Und wenn dann noch kein einzig Blättelein aufzufinden ist, auf der Strecke, dann wirds eine mentale Herausforderung… aber von Anfang an…

Ad Margitta: Es war eine HM-Staffel von der Kilometrage her, aber ich schreib halt so gern 😉
Ich hatte ja letztens schon erwähnt, dass ich in Mondsee an den Start gehe, als Teil eines Staffelpaares. Es handelt sich dabei eigentlich um einen Halbmarathon, mit Staffeloption. Einerseits würde meine Kondition zu einer für mich guten Halmmarathonzeit noch nicht reichen, andererseits war mein Mitläufer die letzten sieben Monate massiv bis komplett eingeschränkt, was das Laufen anbelangt, und wollte, vernünftigerweise, zuerst einmal einen kürzeren Bewerb laufen und hat mich gefragt. Gute Mischung. Ich sollte beginnen, mit 10 Kilometern, und er übernimmt dann, und jappelt die verbleibenden 11 Kilometer. Das ich bei dem Event die Zeitbremse bin, muss ich wohl nicht extra erwähnen 😉

Seit Mittwochmorgen hatte ich ziemlich zu kämpfen mit einem plötzlichen gastrointestinalen, erm, was sag ich denn am besten, ohne es unappetitlich klingen zu lassen? Inferno. Nichts ging mehr, nicht vor, nicht zurück. Und das noch daheim in Wien. Am Samstag war ich soweit wieder okay, dass ich mich beim Startnummernabholen getraute zu sagen, dass ich am Sonntag mitlaufe. Nicht ganz unspannend, und recht eingeschüchtert ob des Wetterberichtes in Kombi mit der drohenden Wärme, aber ich wollte laufen. Hinzu kommt bei einer solchen Zweiterveranstaltung noch, dass man den anderen nicht hängen lassen möchte, vor allem, wenn man eine Chance sieht, dass es geht, und wenn das quasi der „Wiederbeginn“ vom Laufen ist. Nene, das heisst dann Popsch zusammenzwicken und los!

Um 9:30 Uhr sollte ich starten, die Parkplatzsituation war nicht so klar angegeben, daher waren wir schon um 8 Uhr in der Ortschaft, und haben einen – wie sich später herausstellen sollte – goldrichtigen, weil schattigen Parkplatz gefunden. Bevor wir gemerkt haben, dass es eh unzähliche, neu ausgewiesene Plätze auf einem frisch gemähten Feld gabert. Wuuuascht.
Next stop: Häusl. Toilette. Klo. Happy house. Rest room. Die erlösenden Lettern „WC“.
Weiter gings zum Stadtplatz, nahe dem Schloss, wo das Start- und Zielfeld war. Die Ortschaft war hier, in der Fußgängerzone, wirklich niedlich. Das hab ich aber auch erst jetzt richtig germekt, als ich mir ein paar Fotos angesehen habe. Schön renovierte, bunte Häuser, tolles Schloss, hübsche Kirche… in die auch einige Leute in schönen Sonntagstrachten gewandert sind…hab ich alles nicht mitbekommen. War zu sehr damit beschäftigt, mein ohnehin vorhandenes Bauchgrummeln davon abzuhalten, sich mit Nervositäts-Bauchgrummeln zu paaren. Gelang ned. Insbesondere die Aussicht auf den Großteil der Läufer, die wirklich trainiert und vorbereitet aussahen, hat dann nochmal ein Schippl Hibbeligkeit draufgelegt. Die Leut, die hier mitgemacht haben, waren doch ein anderes Gut, als bei Wiener Strassenläufen. Muss ich hier mal ehrlich sagen.

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Als Herr 11-Kilometer in den Tranferbus einstieg, um zur Staffelübergabestelle zu gelangen, stand ich nun allein da, suchte den kargen Schatten, ein Plätzchen zu sitzen und nahm noch ein paar Schluckerl Wasser. Ich dürfte maximal 1:15h brauchen, bis zur Übergabestelle. Sonst ist der Bus futsch, der mich wieder in die Stadt bringt. Normal würd ich sagen, dass das kein Problem sein sollt, aber meine bestehende, merkbare Angeschlagenheit und die Sonne könnten mir dann vielleicht doch ungut mitspielen. Ja, das ist schonmal fein, wenn man sich VOR einem Rennen so viele Sorgen macht – nicht zur Nachahmung empfohlen.

Als der Startschuss um 9:30 fiel, haute es erstmal einige aus den Socken, denn es war ein wirklicher StrartSCHUSS, der über den Platz donnerte. Geil. Na dann: Los!

Aaaargh! Der Schuss dürfet meine Blase getriggert haben. Von einer Minute auf die nächste musste ich ganz, ganz dringend Flüssigkeit loswerden. Nix da, es ging ab da nur mehr nach vorn, jeder Schritt zwickte, aber das war dann nach vier Kilometern weitestgehend weg. Harte vier Kilometer, aber die vergingen zumindest recht fix. Die Strecke führte durch Wohngegenden, wo gelegentlich noch ein Bäumchen sowas ähnliches wie Schatten spendete. Das hörte aber ab dem 5-KM-Schild auf. Eine Strasse, gesäumt von Feldnern, erhitzt durch Sonne, die gefühlt weit mehr als 25 Grad herunterbrutzelte, ohne windigen Counterpart. Die Landschaft mag wirklich ein Traum gewesen sein, aber dafür war ich nicht aufnahmefähig. Mein Kopf, immer noch nicht positiv gestimmt, machte auch meine Beine noch schwerer. Mein Hörbuch brachte keine Abwechslung – da muss ich alles sowieso nochmal hören – dafür waren die Labestationen willkommener Kurzweil.

An dieser Stelle muss ich übrigens den Anwohnern der Strecke meine innigste Liebe gestehen – oder eher ihren Gartenschläuchen und Sprinkleranlagen: Ich liebe euch!

Das war eine wahre Wohltat, ein wenig kühlendes Nass auf der Haut – Herrlich! Wie auch bei der Labestation bei Kilometer 7 in etwa. Gehend einige Schlucke Wasser und nochmal einen Becher auf mein Skalp. Ich habe lange, dicke und dichte Haare, aber mein Kopf war innerhalb von 4 Minuten wieder komplett trocken. Was dann bei Kilometer 8 noch dazukam, als zum Glück nur kurzzeitige Erschwernis, war intensivster Jauchegeruch, von den umliegenden, gedüngten Feldern, die in der Sonne vor sich hinschmurgelten. Boooaaah, das war richtig, richtig eklig und stülpte gut den Magen nochmal um.

Als ich das heiss ersehnte 9-KM-Schild am Strassenrand erspähte, war ich knapp davor, den letzten Kilometer gehend hinter mich zu bringen, aber das konnte ich in einer Staffel nicht verantworten, und versuchte noch ein bisschen anzugalloppeln, was mir dann aber erst richtig gelang, als ich in der Ferne die Staffel-Wechselzone sah, wo mir meine B-Startnummer zuwinkte.

Ein ausgetrocknetes „Sorry“ als Begrüßung, weil er anstelle von 59 Minuten eine Stunde und drei Minuten warten musste und dann musste er auch noch den Klettband-Chip von meinem Knöchel herunterfutzeln. Und weg ar er.

Ich ging nochmal ein, zwei, drei Becher Wasser holen, und ließ mich ins Gras, in den Schatten plumpsen. Knallrot im Gesicht war ich. Und nass von dem Gartenschlauch bei der nahen Labestation. Nicht vom Schweiss, denn Schwitzen kann ich nur sehr wenig. Leider. Mein Laufgesicht soll fortan „Germteiggesicht“ heissen. So nannte Chris meine faziale Entstellung, dann, weil mein Gesicht wirklich, wie bei einer Allergie, einfach total unnatürlich aufgeht und rot wird. Kommt gut und elegant auf den Fotos.

1:03h. Wäre ich in Topform gewesen, hätte das eine herbe, persönliche Enttäuschung sein können, aber ich war, und bin, einfach nur extrem happy, dass ich durchgehalten habe. Das war mir nach der Übergabe noch wurschtiger als jetzt. Und im Schuttlebus, zum Ziel, wars mir auch egal. Da hat dann meinee Nase wieder angefangen zu funktionieren. Ein Bus is toll, bei einer Staffel. Ein Bus, der eine Stunde in der prallen Sonne stand, kaum Klima aufzuweisen hat, und voll ist, mit nassgeschwitzten Läufern, deren Funktionskleidung gerade anfing, durch die Feuchtigkeit zu müffeln und dadurch der Jauche-Strecke nichts nachstand – ist trotzdem toll! 😉

Wieder im Zentrum Mondsees blieben mir in etwa noch 20 Minuten, um auf auf den zweiten Läufer des Teams „Mathüüldööö!!“ zu warten. In der Zeit sah ich alle anhoppeln, die eine Zeit ab 1:30h schafften. Unter ihnen auch Andi Goldberger, der vor allem Österreichischen Skifans ein begriff sein sollte, mit 1:32h. Ein Wahnsinn. Das Beste daran war aber, dass fast alle lachend und mehr oder weniger locker eingelaufen sind. Bei denen hat man die Freude so sehr gesehen, und gespürt…hach…
Ja, bei einer Staffel zu starten heisst auch, dass man auf den Zieleinlauf verzichtet. Es fehlt schon ein bisschen, aber ich hab ihn meiner B-Hälfte sehr gegönnt, die auch locker angetrippelt kam. Die 11 KM in einer 49er Zeit lief und uns somit eine Zeit von 1:52h verschaffte. Completely awestruck. Unglaublich stolz und dadurch noch eine gute Spur motivierter. Das trifft ziemlich auf mich zu, als ich neben meinem am Boden, im Schatten, herumkugelnden Mitläufer saß. Mein Hinterteil wurde langsam aber sicher nass. Allerdings nicht, weil dann mein G-I-Trakt doch noch zugeschlagen hat – der gab G’tt sei Dank eine Ruh – sondern weil Herr 11K sich einen Liter Wasser drüberleerte und ich ja neben ihm saß. Mit nassem Hosenboden und einem noch nasseren Chris galt es noch, Flüssischkeiten ausfindig zu machen. Nebst Cola, Sprite, Wasser, Iso und alkoholfreiem Bier, gab es auch Sachen zu Futtern. Und zwar in einer Weise, wie ich es aus Wien bis dahin noch nicht kannte: kostenloses Jour-Gebäck, Schnitten, Bananen und verschiedene Kuchen! Es gab gratis Kuchen! Ich hab anscheinend bisher immer bei den falschen Bewerben mitgemacht, aber…KUCHEN! Yay!!
Mir war mein malader Verdauungstrakt sehr egal zu dem Zeitpunkt. Wenn er auf und unmittelbar nach den quälenden Kilometern von eben nicht gemotschgert hatte, dann hatte er jetzt auch nichts zu melden. Punkt!

Zieleinlauf auf dem blauen Teppich
Zieleinlauf auf dem blauen Teppich
Trotzdem unkaputtbar - aber nass
Trotzdem unkaputtbar – aber nass
Biologische Kriegswaffen findet man zuhauf auf Laufveranstaltungen
Biologische Kriegswaffen findet man zuhauf auf Laufveranstaltungen

Fatiz A: Vermutlich ein schöner Lauf, wenn die Temperaturen im Lauf des Vormittages nciht auf 28 Grad klettern. So ein sehr harter Lauf, wie ich finde.

Fazit B: Wär ich alleine, also, ohne Staffel“verpflichtung“ gelaufen, hätte ich vermutlich wegen ganzheitlichem Unwohlseien davor oder mittendrin abgebrochen. Aber zu wissen, dass jemand wartet, lässt dich weitermachen, auch wenn dein Kopf ansonsten nur mosert und jammert.

Fazit C: keine geile Zeit, aber durch. Und sehr motiviert, weiter zu machen!

Fazit D: Gastrointestinale Infekte führen zu einer merkbaren Schwäche – ich würd niemandem empfehlen, so zu laufen. Gibt lustigeres.

Fazit D pt 2: Kucheeeeeen!

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7 Gedanken zu “Mondseelauf 2015: Damn, you’re hot!

  1. Hmm…ich laufe seit ca. 11 Jahren und bekomme bei Temperaturen über 20 Grad trotzdem ’ne knallrote Omme. IMMER.
    Bin ich nun noch Anfänger oder hat Margittas Theorie Lücken? 😉

    Der Lauf liest sich jetzt nicht unbedingt wie ein „Muss ich auch mal machen“…aber das Lesen war im Gegensatz dazu sehr erfrischend.

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    1. Hmmm… sollt ich mir jetzt erleichtert denken, dass es nicht mir so geht, sondern auch Langzeitläufern oder soll ich denken „Oh, neee, geht das denn nie weg?“ ;D
      Och, klar musst du den mal machen – is doch geil ne Stunde in der prallen Sonne zu laufen…erm…vielleicht…oder so…eeehmm…ok, musst ned machen. Hingegen freuts mich, wenns erfrischend war 🙂

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  2. Sehr gerne – wenn es dich beruhigt, “ Profi-Läufer “ haben keinen roten Kopf mehr, das ist wirklich nur ein Phänomen bei Anfängern, ein Grund mehr auch für dich, weiterzumachen, du wirst sehen, irgendwann gibt es das nicht mehr, und du erkennst die Anfänger nicht nur an der Puste, sondern auch im Gesicht !! 😉

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  3. Tja, mein liebes FräuleinBummelei, lass‘ dich über dein dunkles (nehme ich mal an ) Haar streicheln, deine roten Wangen sind mittlerweile wohl wieder in die Normalität übergegangen (im übrigen ein typisches – verzeih‘ Anfängersymptom !!) und dir die Hand reichen, das hast du gut gemacht, gelobt sei, was stark macht, und solche Dinge machen stark, lohnen sich immer.

    Wacker geschlagen sie können alle stolz auf dich sein, besonders Herr 11 Kilometer – YES 😎

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