Nur ein kurzes Läufchen… im Hyde Park

Die Uhr zeigt 5:30 in blinkenden Ziffern. Der Saft geht dem Wecker bald aus, lässt sich an der Akkuanzeige feststellen. Der Vorhang ist nicht ganz geschlossen, sodass ein Lichtstreifen genau auf mein Geischt fällt und mich blinzelnd dazu verleitet, mich einfach umzudrehen, die Decke über den Kopf zu ziehen und weiter zu schlunzen. Im selben Augenblick geht aber auch schon der Alarm meines Handys los und lässt mich grummelnd, weil zum Fluchen bin ich um die Uhrzeit noch nicht in der Lage, ans Fußende des Bettes robben, um das Gebimmel auszumachen. Noch mehr Grummeln, das fast ins Rohrspatzschimpfen übergeht, als NochMann mir die Decke wegzieht. „Hoppauf! Du hast gesagt, du willst um 6 Uhr im Park laufen gehen, also gehst du. Los! Sonst hab ich den restlichen Tag einen Grantscherm am Hals.“

Ich will nicht sagen, dass ich Mann nicht dankbar war im Endeffekt, aber in dem Augenblick hatte ich ihn nicht sehr lieb. Ich konnte ihm allerdings nicht widersprechen. Einerseits wieder, weil ich noch nicht artikulationsfähig war, und andererseits, weil ich am Vorabend kundgetan hatte, dass ich laufen gehen will. Im Hyde Park. Wenn man schon einmal in London ist.

Dieses Wochenende stand ein Superkurztrip am Programm. Ich war noch nie im Vereinigten Königreich, und somit auch noch nie in London. Eine Stadt, die man vermutlich wirklich einmal gesehen haben sollte. Nun ja, aufgrund diversester Umstände wollte mir Mann diese Stadt näherbringen und wie es der zeitplan so will, sollte es nur noch an diesem Wochenende möglich sein. Diese Gelegenheit kann man sich doch eigentlich nicht entgehen lassen? – sprachs und wappnete sich für eineinhalb Tage Intensivprogramm „Städtetrip“. Okay, ein wenig abgespeckt, aber trotzdem..

Die Laufschuhe mussten allerdings mit, meinte Mann und buchte sogar extra ein Hotel nahe des bekannten Speaker’s Corner, beim Marble Arch, der sich am nordöstlichen Eckerl des Hyde Parks befindet.

So kams, dass ich mich tatsächlich am Samstag Früh eben genau unter dem besagten Bogen wiederfand, mir noch mittels kurzem Blick die örtliche Beschaffenheiten des nicht ungroßen Parks in die erwachenden Hirnwindungen einprägte, und dann einfach einmal drauflos gelaufen bin.

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Sehr genial, was die Londoner da in ihrem Städtchen alles an Grünfläche haben… Hyde Park, Kensington Gardens, Green Park, Regent Park, Richmond Park, und noch einige Grashalme mehr. Nicht gerade klein sind die, das muss man auch noch erwähnen. Quer durch den Hyde Park, entlang der Außenlinien, hinein in den Kensington Garden, drinnen herumeiern, und wieder zurück – 12 Kilometer ergab das in ein bisschen mehr als einer Stunde, ohne, dass ich auch nur in die Nähe von Wegen kam, die ich schon abgehoppelt war. Faszinierend…

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Ich muss gestehen, dass ich in Wien eigentlich nicht in Parks laufe. Bis dato sind mir der Türkenschanzpark geläufig, und der Lainzer Tiergarten, wobei letzteres nicht als Park gilt. Alles andere als das wird bei mir durchlaufen, und nicht zum „drinnen“ Laufen genutzt, weil zu klein. Aufgrund dessen kann ich auch keine Vergleiche anstellen, zwischen hiesigen und Londoner Parks. Fest steht, der Hyde Park, inklusive dem westlichen Eck, dem Kensington Garden, ist riesig, man merkt, dass alles von Menschenhand angelegt und geschaffen ist, was mir persönlich nicht so sehr gefällt – aber das ist halt das Englische 😉 und angelegtes Grün ist besser, als kein Grün, das ist auch mal sehr klar.

Ab 7 Uhr hat sich der Park immer mehr gefüllt; mir kamen andere Läufer entgegen, überholten mich, machten am Gras ABC-Übungen, andere gingen oder liefen mit Kelev, und sogar ein Loschek war auf einer der Sandstrecken unterwegs – also wirklich gut belebt, aber nicht eingeengt. Find ich super! Und die ganze Zeit ging in meinem Kopf, mit undefinierbarer Melodie herum: „Ich lauf grad echt im Hyde Park. Ich bin echt zum ersten Mal in London, yay!“

Beim nachträglichen Dehnen wird man auch nicht so komisch angeschaut, wie oft in Wien...lag vll. auch an der Uhrzeit ;)
Beim nachträglichen Dehnen wird man auch nicht so komisch angeschaut, wie oft in Wien…lag vll. auch an der Uhrzeit 😉

Nach dem Lauf und einer entsprechenden Säuberung ging es auf den Borough Market, wo mein Frühstück aus einem „Rich and gooey Chocolate Brownie“ bestand und einem „Grasshopper“. Ersteres ward seinem Namen mehr als gerecht und ward zum besten Brownie, den ich je gegessen hab. Ok, zur Hälfte gegessen, weil er SO reichhaltig und schwer war. Zweiteres war ein Smoothie, der nebst Bananen und Apfelsaft aus flax seed, spirulina, wheat grass juice und anderen gesund klingenden Grünzeugblattln bestand. Überraschend gut. Fast schon wieder ein gesunde Frühstück also 😉

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Richtig froh, dass ich des Morgens zum Laufen ermutigt wurde, war ich, als wir in die Gold Union Fish Bar einkehrten und dort eine feeeeette Portion Fish and Chips orderten. Ich mag panierten Fisch nicht, normalerweise. Aber das war echt lecker. Auf die chips kam ordentlich Essig und der Fsch wurde mitsamt seines Panadehemdchens fast aufgefuttert. Wenn ich schon einmal einen Tag in London bin, schau ich sicherlich nicht drauf, was ich wie und wo esse – hauptsache, es ist gut. Hugh! Ich habe gesprochen!
Ich kann das Golden Union übrigens jedem empfehlen, der gute Fish and Chips essen möchte. Und schnell geht es noch dazu! Einfach die Oxford Street entlangwandern, bis man die Poland Street davon abzweigen sieht. Die wandert man dann südlich entlang und sieht das Lokal schon nach ein paar Schritten.
Genauso kann ich den Borough Market nach der London Bridge empfehlen, wenn man Hunger hat oder sonst irgendwie auf Essen steht.Bäckereien, Obststände, Gemüsebergerl, Käse, Imbisstände, Pies, Cakes, Fisch, Fleisch, Fudge, Säfte, Veganes, Vegetarisches, Omnivores… Satt sollte man sich hier nicht blicken lassen, man würde es bereuchen. Spätestens, wenn man bei Cup Cakes und Kuchen vorbeigeht und Kleinigkeiten zum Kosten angeboten bekommt.

Hier geben sich die Leute echt Mühe, dass es hübsch aussieht...mit buntem Erfolg!
Hier geben sich die Leute echt Mühe, dass es hübsch aussieht…mit buntem Erfolg!

Hernach wurden noch ein paar Sights aufgesucht, und meine Haxen wurde nicht geschont, bis sie sich in Her Majesty’s Theatre niederlassen durften, zu einer abendlichen Vorstellung von Phantom of the Opera. Allerdings bin ich nach der Pause gegangen… Ich LIEBE dieses Musical, ich kann es fast auswendig – auf Englisch, versteht sich, hab es im Dezember auf Deutsch in Hamburg gesehen, da waren die Darsteller und deren Stimmen super. Jetzt hatte ich eeendlich die Gelegenheit, es auf Englisch zu sehen! Und was ist?… die Sänger sind einfach nicht gut. Richtig schlecht teilweise sogar… nee, das ging nicht. Da war das kleine Fräulein etwas frustriert… und hat sich im M&M’s Store am Leicster Square dafür mit unglaublich viel unnedichem merchandise eingedeckt. Hat gut als Antidepressivum funktioniert und ist definitiv zu empfehlen!

So, dann mach ich mal Schluss hier. Die sich nachziehende Müdigkeit hat doch wieder zu deutlichem Hirnchaos geführt – vielleicht gibts bald mal was Strukturiertes, ausnahmsweise!

Für Tips in London, was es das nächste Mal sein sollt, was ich mir anschaun muss, etc. bin ich übrigens offen und dankbar. Bis auf das oben Erwähnte ging sich noch Covent Garden, Tower Bridge und Harrod’s ❤ aus 😀

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4 Gedanken zu “Nur ein kurzes Läufchen… im Hyde Park

  1. Oh, du warst im Hyde Park laufen!!! Wie toll!!! Ich war mittlerweile schon so oft in London und habs einfach nicht geschafft, obwohl ich dort immer die Läufer fotografiere wenn ich spazieren gehe oder mit dem Bus vorbeifahre ^^

    Ja, London muss man wirklich mal gesehen haben (finde ich). Ich mag die Stadt total gerne, nicht nur wegen den vielen Shoppingmöglichkeiten, sondern einfach wegen den Leuten, dem Flair und einfach…es ist London!

    Was noch sehenswert ist, wäre der Buckingham Palace, St. James Park, Piccadilly Circus (Oxford Street wenn du shoppen willst), das Diana Memorial (wenn du sie magst), Kensington Palace, Downing Street….

    Wir buchen uns auch immer ein Hotel in der Nähe vom Hyde Park/Marble Arch – von dort ist einfach alles super schnell erreichbar! LG

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    1. jup, war auch wirklich super – wenn du mal dort bist, Laufschuhe schnüren und die Serpentine langhoppeln, und die Londoner auch beim Laufen laufend beobachten 😀
      Ich war zum ersten Mal, aber bestimmt nicht zum letzten Mal! Die von dir aufgezählten Sachen werden definitiv auf meine Liste gesetzt. Buckingham Palace ging sich einfach nciht aus…die Oxford Street wurde bissle durchwandert, aber so zum richtigen Shoppen war wenig Zeit. St James Park klingt auf ein, und, und, und… auja, ich seh schon…bald…bald..nnochmal 😉

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