Quacksi on Tour

-oder auch: Die etwas anderen Schuhe.

Heute war einmal wieder ein Besuchstag bei meinen Eltern angesagt, und somit auch ein Läufchen in der Lobau. Das ist immer sehr praktisch zu kombinieren, da ist mir auch ein Wetter, wie heute Mittag eher wurscht. Es hat in der Früh ordentlich geschüttet und über Mittag noch gut getröpfelt, aber am frühen Nachmittag war es soweit trocken. Natürlich nicht im Wald, da war eine Gatschschlacht teilweise erahnbar. Das hält aber wie gesagt nich auf, sondern motiviert nur noch mehr. Mud Wrestling mit Laufschuhen: wann kann man denn mehr angeben, als wenn die Laufschuhe voller Schlamm sind, und die dranhängenden Haxen gleich mit? Eben!

Als ich heute dann ankam, hielt mir meine Mutter gleich ein Packerl unter die Nase. Gelb zugetaped, mit roten Lettern „VORSICHT GLAS! ZERBRECHLICH!“. Die Aufschrift wunderte mich, denn ich erwartete eigentlich nichts, was irgendwie zerbröselbar wär. Dann dämmerte mir meine Bestellung, die ich über London ein wenig verdrängt hatte. Aber unter dem gelben, nicht ganz unaufdringlichem Klebeband war „barfusslaufen“ zu lesen.

Yes!

Kurz vor dem city trip hatte ich mir Sole Runner Schuchis bestellt, damit ich im Wald und auf den Wiesen ein wenig spazieren und herumhupfen kann, ohne jegliche Dämpfung. Ich würde es auch baren Fußes tun, aber seit ich als Kind einmal auf eine Wespe und ein andermal auf eine Glasscherbe in einer Wiese getreten bin, lass ich das aus, und erfreue mich der Tatsache, dass es seit geraumer Zeit „Schuhe“ gibt, die sich wie festere Socken anfühlen.

Meine Fußis sind eher „Altweiberfüße“: Senk-Spreizfüße mit zwei halluces valgi, die mich meine Traumschuchis zu verkaufen zwingen und noch am ansehnlichsten in einzwängendem Schuhwerk sind, sodass man die Form nicht mehr erahnen kann. Und genau denen will ich ein bisschen was Gutes tun: eben, indem ich sanft eingestreut anfange, mit diesen unbesprengten, ungedämpften Schuhen zu gehen, und auf weichem Untergrund ein bisschen zu laufen.

Hier muss mit Vorsicht herangegangen werden, wenn der Fuß, nun wohlstandsverwöhnt und gleichzeitig muskel- und reizverarmt nur noch Leder-, Stoff oder Plastikhüllen gewohnt ist, die mit mehreren Zentimetern Sohle die Verbidnung zum Boden unterbrechen. Viele Leute, die meinen an ihrem Strandurlaub auf Sand laufen zu müssen, riskieren so nicht selten eine Stressfraktur. Schlicht und ergreifend, weil der Körper, Muskeln, Sehnen, Knochen,… das nicht mehr gewohnt ist, beziehungsweise, nie mit diesen Reizen konfrontiert wurde.

Also: ohne Vorbereitung nicht barfuß loslaufen, und das noch am besten über mehrere Kilometer; das wäre in den meisten Fällen grob kontraproduktiv, wenn ich euren Fußis ja eigentlich was Gutes tun wollt!

Aber zurück zu meiner neuen Akquisition: Die Schuhe sahen riesig aus, trotz ausgemessener Größe, und sie waren auch einen Hauch zu groß. Aber witzigerweise nur beim Sitzen. Kaum bin ich ein paar Schritte damit gewatschelt, passten sie. Und nachdem sie auch in der Breite ausreichend Platz boten, passt das Wort „Watscheln“ wirklich. Meine Mutter bekam einen Lachkrampf. Ich einen roten Kopf und danach musste ich auch erst mal lachen: die Patscherl sahen tatsächlich aus, wie Froschflosserl, so breit. Und dazu noch grün!

Nicht so matschig, wie befürchtet..
Nicht so matschig, wie befürchtet..

Klarerweise musste ich damit gleich mal in den Wald. Aber was, wenn mich wer sieht? Egal! Dann erst recht, dacht cih mir und hab mir meine grau-grüne Laufshorts und mein grasgrünes Vienna Night Run-Leiberl übergestreift und bin gen Lobau spaziert. Die ersten paar hundert Meter am Asphalt wollte ich nicht laufen, das hab ich dann erst wirklich am erstbesten Gatsch gemacht, bis wieder etwas festerer Kiesweg kam, dann ging ich ein Stücki. Das ging dann auch eine Weile so, bis ich einen bestimmten Weg einschlug. Bei diesem wusste ich, dass größerflächige Wiesenstücke und trailiger Weg kommen – gleich mal ausgenutzt. Ich bin dann wirklich, wie in der Kindheit über die Wiese gelaufen und es hat einfach irren Spass gemacht! Ohne Trainingsgedanken, einfach nur zwischen den Büschen und Bäumen laufen, und nicht darauf achten, WIE man läuft, denn das kam von selbst. Fersenlaufen wurde aus dem Unterbeweusstsein verbannt, und das leicht supinierte Aufkommen und Abrollen mit der Fußaussenkante kam sehr natürlich – Füße wissen schon, wie sie sich selbst gedämpft auffangen können, wenn man sie vorsichtig lässt!

Es wurde dann sogar ein Ast am Wegrand zum „Spielen“ und Balancieren verwendet – einfach, weil ich ihn „gespürt“ hab.

Wenn das Hirn ausschaltet, macht sogar ein Asterl Spass
Wenn das Hirn ausschaltet, macht sogar ein Asterl Spass

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Glück: sie haben die fast meterhohe Wiese gemäht und somit belaufbar gemacht - nur für mich ;D
Glück: sie haben die fast meterhohe Wiese gemäht und somit belaufbar gemacht – nur für mich ;D
Auch wenn man es niecht sieht: das Gras am Weg war oft hüfthoch: Lauf-ABC inklusive!
Auch wenn man es niecht sieht: das Gras am Weg war oft hüfthoch: Lauf-ABC inklusive!
YAY! Blauer Himmel am Horizont!
YAY! Blauer Himmel am Horizont!

Am Weg heim bin ich wieder abwechselnd gegangen und stückerlweise auf dem Wiesenrand gelaufen. Ich benutze sogar in meinen Kinvara meine Zehen beim Laufen – aber in den Sole Runner dann nochmal gut ein Stück mehr. Auch meine Wadeln kamen gut dran, und auf den unwegsameren Wegabschnitten kamen dann noch Knieheber dazu – ob ich wollte oder nicht – also ein Rundumprogramm heute, das sicherlich einen Muskelkater hinterlassen wird. Aber einen, der sich gelohnt hat. So unbeschwert über Stock und Stein (kurzzeitig!!) zu galloppelln ist ein fantastisches Gefühl, das ich mit dicken Sohlen unter den Füßen so noch nie hatte. Vorsichtig…vorsichtig und ohne zu übertreiben wird das wiederholt, ganz eindeutig!

Es blieb nur noch…ungesehen in meinen Froschpantofferl nach Hause zu kommen 😉

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7 Gedanken zu “Quacksi on Tour

  1. Ach ja, ich GEHE nur noch in solchen Nichts, ohne jegliche Dämpfung, aber das Laufen damit lasse ich lieber sein, das ist mir zu gefährlich, zwar habe ich gesunde Füße, trotzdem über Jahrzehnte zu sehr zivilisiert, als dass sie diese Tortur gleich unbeschadet überstehen könnten.

    Darum – auch wie Frau Blumenmond sagt – Vorsicht ist angesagt – erst recht bei bereits “ geschädigten “ Füßen !!

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    1. Das erscheint mir klug – ich bin mir der orthopädischen und neurologischen Folgen durchaus bewusst. Mir ist das Laufen und schmerzlose Gehen zu wichtig, als dass ich es für ein paar barfuß gelaufene KM opfern würde. Ich mag meine zwei-einhalb Jahrzehnte alten Füße nur gerne davor bewahren, komplett zu verzivilisieren. In Minidosen, auf weichem Gras, gehend und ein paar Schritterl laufend – wie als Kind, nur weniger lang 😉

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  2. Barfuß laufen ist für mich nicht möglich. Ich habe eine Überpronation und brauch meine Stütze, sonst knicke ich weg. Schön das du so laufen kannst. Viel Freude bei all deinen Läufen wünsche ich dir 🙂
    Grüßle Chrissi

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