Späheinsatz in Pertisau/Tirol

Am anderen Ende von Österreich – zumindest gefühlt – findet Anfang September der Achenseelauf statt. 23 Kilometer rund um den See, mit rund 170 Höhenmetern, die auf den letzten 6 Kilometern geballt auf steinigem Trailgelände den letzten Saft aus den Beinen pressen. Und ich dabei… also, so ists zumindest geplant. Der Trailhöhenmetersterbabschnitt hat mich immer skeptischer werden lassen, was mich auf die Idee gebracht hat, doch einfach vorzeitig schon einmal nach Tirol zu fahren, und die Strecke mal abzugehen. Ein bisschen Urlaub und Rauskommen war zudem genau das Richtige derzeit.

Von Freitag bis Sonntagabend war ich dann unterwegs, alles zusammen, und es hat sich abslut ausgezahlt. Ein einfacher, ergiebiger Kurzurlaub, mit viiiieeeeel Hatschen und biiiissi Laufen…. und gaaaaaanz gaaaaAAAnz viel Muskelkater.

Kurz nach Ankunft in Pertisau (so heisst der Ort, ehrlich! hihi) hab ich auch schon meine Trailschuchis ausgepackt, meine Fussis in Sportsöckle gestopft, meine Wanderhose übergestreift und los gings. Die eigentliche Hauptlaufrunde fängt in Pertisau an, und verläuft zuerst gen Osten. Da es aber schon bissle spät war, und genau die ersten Kilometer auf Asphalt gehen würden, ohne jegliche Besonderheiten, wurde das Pferd rittlings aufgezäumt. Beim Gehen kann man ja gleich mal mit den haglichen letzten 8 Kilometern des Laufs anfangen. Nun, am westlichen Ufer des Achensees bin ich vorerst noch auf normalem Kiesweg dahingestapft. Sehr schöner Weg. Das Panorama ein Traum. Sonne, paar Wolkerl, bissl ein Wind. Unterhaltsame Begleitung. Ideal!

Wenn der Fels wenig neben einem einfach steil abfällt, dann hab ich mich selbst schon dort runterkugeln gesehen… es gibt wirklich einige Stellen, bei denen mich mein geistiges Augo schon beim Runterpurtzeln gefilmt hat – auch, wenn es bis dato noch niemand geschafft hat. Es gibt immer ein erstes Mal 😉

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Der Kiesweg wurde immer steiniger, bis man ein Geröllfeld queren musste. Hier stirbt man dann vermutlich zum letzten Mal, bevor man wieder auf leichte Wege kommt – beim Lauf. Die Steine, in denen man sogar beim gehen versinkt, müssen unglaublich viel Kraft beim Laufen schlucken – wenn man da schon ausgelutscht ist von den vorangehenden Abschnitten, na danke. Aber weitergings. Überstehender Fels ließ mich am Weg fast den Kopf einziehen. Noch eine Hürde für alle, die über „Gnom“-Größe sind. Da seh ich zum ersten Mal einen Vorteil in meiner ganzen Kleinheit, hehe… Rauf, runter, immer mit dem riesigen See zu meiner Rechten und mit Waldduft in der Nase, ging es sich herrlich gemütlich und ich konnte den Weg richtig genießen. Ich konnte mir schon vorstellen, dass es anstrengend werden würde…und das echte Höhenmetersammel stand auch noch bevor. Um genau zu sein, stand es kurz nach der Gaisalm in Form von richtig! hohen Treppen vor uns, die gleich mal sehr steil anfingen. Es waren mit Holz abgetrennte Stufen, die mir teilweise bis zum Knie gingen. Das versprach dann doch ein anstrengender Abschnitt zu werden – insbesondere allerdings das Hinabgehen. Hier war ich dann doch zu klein, um die Stiegen schnell runterhoppeln zu können. Gleichzeitig hatte ich ziemlich Schiss, dass sich mein Iliotibialbandl melden könnte. Also mal vooorsichtig. Beim Lauf wird das dann eben ein Teil, bei dem ich massiv Zeit verlieren werde, aber das soll mich nicht stören. Einfach mal machen. Dann krepier ich eben beim Versuch, den Achensee zu umrunden. Es soll schlimmeres geben 😉

Es folgte dann noch ein Stückerl Weg, der durchsetzt war mit Stufen, Steinen, Bacherl, und anderem Gedöns, das das Wandern nochmal amüsanter gestaltete. Nach etwa 7,5 Kilometern hieß es dann, ein Bankerl für eine kurze Rast herzunehmen, ein bisschen die Wasserspeicher aufzufüllen und die Aussicht auf den See, und die Berge zu genießen. Und dann: ja, dann alles wieder retour! Meine Beine waren schon müde, aber nicht ausgelaugt. Das fand ich toll. Das hätte ich so letztes Jahr, beispielsweise, nie geschafft! Ich war während des Marschierens doch auf eine gewisse Art schon stolz, dass sich meine Ausdauer und Kraft doch deutlich gebessert hat.

Es darf aber für den September noch um einiges besser werden! Wenn ich bald nach Hietzing zieh, werde ich noch einiges an Gelegnenheit haben, um im Wienerwald und auch im Lainzer Tiergarten, Höhenmeter zu mampfen. Ich will den Achenseelauf primär einfach mal schaffen. Aber eine kleeeiiiine, lispelnde Stimme flüstert dann, dass ich die 23k, inkl. Der Höhenmeter und allem doch in 2:30h schaffen soll. HA! Ha….und dann fängt sie zu weinen an. Naja, ich sag mir, ich wills wirklich mal schaffen, und alles unter 3h is okay, und unter 2:45h ists super – also, für mich zumindest. We will see…

15 Kilometer und 300 Höhenmeter haben aber meine Beine dann doch nicht ganz verschont. Ich wollte die fantastische Kulisse am Folgetag für einen Morgenlauf nutzen, und war auch motiviert aus dem Bett zu hupfen. Hupfen wars dann doch ned, weil meine Spenkel einfach viel zu müde waren, aber ein Rausrollen lassen, das warmöglich. Nicht sehr elegant, aber möglich.
Ich hab mich in meine Laufkleidung und meine Saucony gepopelt, und bin extreeeeem lange und langsame 5 Kilometer nach Osten, also am Asphalt, gehoppelt, hab ein paar Stabiübungen am Seeufer gemacht und bin wieder zurück. Zum Frühstück. Das war der beste Ansporn überhaupt!

Den Tag drauf hätte ich ebenfalls noch gerne genutzt, um die Landschaft läuferisch zu erkunden. Nix da! Kaum die Haxen aus dem Bett geschwungen hab ich auch schon gemerkt, was ich die Tage davor gemacht hab. Muskelkater! Argh! Rechter Oberschenkel und Popsch waren ein einziger Ameisenhügel. Und da das nur rechts der Fall war, hab ich meinen linken Oberschenkel bös angeschaut, und ihm ein paar Übungen angedeihen lassen, bis ich ein einziger Haufen Aua war. Das tat gut! Man möge mir einen Vogel deuten.

Den ganzen Beitrag schreib ich deutlich zeitversetzt, mit hochgelagerten Beinen, die mit kühlendem Hauttonic eingelassen sind, nachdem ich zum ersten Mal 22 Kilometer gelaufen bin. Nach 2:16h hatte ich 21,1 Kilometer und somit war ich schneller, als 2012, bei meinem ersten HM. Das Allerbeste war allerdings, dass der Lauf ein Traumlauf war! Aber davon vielleicht ein andermal mehr…

Fazit: Ich freu mich wahnsinnig auf den Lauf und auch wieder auf den See. Ich werde dann auf jeden Fall meine Kamera mitnehmen, und noch einiges spazierengehen müssen. Als Stadtnudel sind solche Hügelein doch sehr imposant..

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10 Gedanken zu “Späheinsatz in Pertisau/Tirol

    1. Fein, fein! Dann werd ich an dich denken und dir Daumen drücken! Was für eine Zeit zielst du denn an?
      Ich hoff, dass ich mitlaufen kann dieses Jahr…

      Ach ja, danke fürs Lesen und willkommen auf meinem Blog. Machs dir gemütlich und nimm dir nen Eiskaffee 😉
      Ich geh derweilen mal deinen Blog durchstöbern

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      1. Die Zielzeit kann ich dir nicht so ganz genau sagen, bin noch am überlegen ob ich „voll“ laufe“ oder den Lauf richtig genießen soll…mit Fotos usw. Ich hab auch eine kleine Kooperation mit dem Tourismusbüro am Achensee. Ich darf umsonst mitlaufen und schreibe dafür einen Bericht über den Lauf aus meinem Blickwinkel. Nun ja, mal sehen.
        Dir auch viel Spaß beim lesen, würde mich freuen dich hin und wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen :-).
        Bis dann…vielleicht in Pertisau

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  1. Das klingt ja nach einem netten Abenteuer. Gute Idee, das ganze vorab zu erkunden. Hast ja noch ein wenig Zeit und vielleicht ist das Ganze ohne zu ehrgeiziges Ziel schöner und Du stirbst vielleicht nicht so häufig.

    Dann warte ich jetzt mal auf den Bericht des Traumlaufs.

    Gruß
    Anja

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  2. Herrlich, da kommen Erinnerungen hoch, bin wohl auf den gleichen Pfaden unterwegs gewesen wie du, es hat mir sehr gut gefallen, und für Stadtmenschen und See-Anwohner ist es schon eine Umstellung, Berge und Höhen hinauf und wieder hinunter, wobei mir das Hinauf besser gefallen hatte.

    Tja, und der Muskelkater – wundert uns das ❓ Gut, dass du vorher üben kannst !!

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    1. Oh, wie fein 🙂 Ja, das Auf- und Abgehen ist wirklich anders, als das Abgehen der bekannten, planen Pfade. Da geht einem das Herz auf.

      Oh nein, da wundert mich gar nichts – aber ich wünsch mir im September ein Frollein, das trainierter ist 😉

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