Grün, grüner, Heutal!

Urlaub auf einer Selbstversorgerhütte mit anderen Leuten ist immer ein bissl eine Umstellung – sowohl vom Alltag, als auch von der Vorstellung des gewohnten Hotel- oder Pensionsurlaub. Vor einem Jahr kam ich zum ersten Mal in den Genuss mit einigen Freunden eine solche Hütte und die nahe Umgebung heumzusuchen. Für ein paar war es nichts Neues, beziehungsweise hatten ein paar regelmäßige Hüttenurlaube am Sommer- und Winterprogramm – nicht so ich. Ich bin ein fast typisches Stadtkind, mit genauso fast typischen Stadteltern, will ich sagen. Einen Berg – oder mehrere – kannte ich ausschließlich aus dem Wetterpanorama, oder vom flugzeugischen Überqueren der Alpen. Das hatte sich letztes Jahr im Sommer geändert. Es war ein richtig feiner Aufethalt auf der Fageralm, letztes Jahr, sodass man sich dieses Jahr dachte, man könnte das doch wiederholen, in einer anderen Hütte, und in einer anderen Ecke Österreichs.

In leider etwas verminderter Besetzung landeten wir dieses Jahr im Heutal, in Unken/Salzburg. Die Hütte liegt auf etwa 960 Meter, und liegt inmitten einer wunderbar grünen Landschaft, mit Bergerl, Wiesen, Mischwald und ausschweifenden Wander- und Sportmöglichkeiten.

Verglichen mit letztem Jahr ist mein Sportpensum doch ein anderes, aber Höhenmetersammeln ist in Wien nur schwer möglich. Also blieb es spannend, ob ich dieses Jahr wieder komplett eingeh, beim Wandern, oder ob ichs derschnauf.

Am Sonntag, einen tag nach Ankunft, wars dann soweit, dass wir unsere Stieferl geschnürt haben, und auf eine Wanderung zum Gipel des Sonntagshorn aufgebrochen sind. Es waren hin und zurück etwa 12 Kilometer, 1000 Höhenmeter und ein fetter Sonnenbrand auf den Schultern, sowie eine richtig geile Gulaschsuppe auf einer Hütte; nach dem vollendeten Aufstieg versteht sich.
Ich hatte nach einer Stunde einen kleinen Kreislaufkollaps, aber den schieb ich auf unmittelbar nach dem zu kleinen Frühstück zu intensive Belastung. Ich kann ja auch nach dem Essen nur mit ein paar Stunden Pause erst laufen, sonst pack ich das nicht. Memo an mich: Muss ich üben.

auf zum Sonntagshorn!
auf zum Sonntagshorn!

Nach kurzem Sitzen gings dann nur mit Minitrinkpausen weiter. Und was soll ich sagen? Es war anstrengend, aber verdammt genial. (Wenn auch etwas einfach und vermutlich wenig für die Bergfüchse in meiner Gruppe hier). War noch dazu mein erstes Giperl!

Meine Beine haben mir das alles sogar so gut verziehen, dass ich am Folgetag 9 Kilometer Trail laufen konnte, mit auf 3 Kilometern geballten 90 Höhenmetern in Wurzelstufen- und Stegformat, zuerst runter und am Rückweg genauso wieder hinauf. Danach immer noch kein Muskelkater oder ähnliches!

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Dafür war ich den Mittwoch beinahe komplett ausser Gefecht… warum auch immer, aber ich hatte massive gastrointestinale Probleme, wie auch vor einem Monat, kurz vor dem Mondseelauf. Das störte glücklicherweise nicht, da der Mittwoch komplett verregnet war. Also, ab ins Bett, und den Schwindel und sämtliche andere Wehwehchen wegschlafen versuchen.

Hat mehr oder weniger funktioniert, aber am Donnerstag blieb ich als einzige dann doch besser von einer kleinen Wanderung daheim. Ich wollte es nicht riskieren irgendwo dann mitten am Weg Probleme zu bekommen, und somit ein Problem für die anderen zu werden. Da hab ich mir ein paar gemütliche Stunden auf der Hütte gemacht und war gemütliche 7 Kilometer laufen. Auf denen mir kurzzeitig übel wurde, also gut, dass ich nicht mit bin, mit den anderen.Ein wenig in der Gegend herumstreunen, elegantes Umdrehen, wenn am Weg plötzlich Kühe liegen, oder Pferde stehen und ein Weiterkommen für mich verhindern, bergauf- und abkeuchen und einige Male stehenbleiben und einfach Fotos machen. So gestaltete sich das donnerstägliche Herumgaloppeln. Ich wollte den selbigen Weg wie Montag laufen: Trailige Wege zu den Staubfällen und über die Deutsch-Österreichische Grenze, aber es waren mir dort zu viele Leute unterwegs, sodass ich beschlossen hatte, umzudrehen und den Resttag, bis die anderen wiederkehren mit meinem Kindle auf der Bank zu flirten.

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Am Freitag dann, ging es in die Loferer Steinberge. Und zwar war unser Ausgangspunkt ein Parkplatz. Ein Parkplatz, den nur unser Quoten-Tiroler als solchen identifizieren konnte, weil einige Fahrverbotsschilde zuerst davon abhieletn. Aber, es stellte sich dann tatsächlich als Autoabstellplat heraus 😉

Hinauf, wurzeligen, grünen und schattig-waldigen Weg entlang sind wir gemütlich bergauf gewandert. Die Zeit verging, und die Vegetation änderte sich stetig: es wurde langsam immer karger, und immer gebirgiger und steiniger. Ebenso wandelte sich der Weg. Wo zuerst nur ein paar Steine zu finden waren, bestand der Weg nach 2 Stunden steter Bergaufrichtung nur noch aus Steinen und Geröll. Für meine flachlandgewohnten Beine war das eine Koordintationsübung par excellence und richtig anstrengend – vom Kopf her. Meine Freunde gehen recht viel und waren auch dementsprechend trittsicher, aber ich wurde nicht gehetzt oder ausgelacht oder sonst was, wie ich es aus Schulzeiten kenne – so macht Wandern richtig Spass und ich konnte es echt sehr genießen!

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Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichten wir die Schmidt-Zabierow-Hütte. Es galt zuerst einmal ordentlich Suppe in sich hineinschaufeln, und die anderen genehmigten sich einen Radler – sie wollten ja noch ein Stückerl weitergehen. Da der Aufstieg aufs nahegelegenene [insert name] Joch aber dann doch noch einiges mehr an Trittsicherheit abverlangte, blieb ich in der Zeit bei der Hütte und genoss einfach die Aussicht, das Wetter, die traumhaften Blumen… Chris leistete mir Gesellschaft – war er wohl zu faul fürs Weitergehen 😛 War mir aber recht, so konnte ich ein bisschen plaudern, bis die anderen zurückkehrten. Da gabs dann noch !frisch gebackenen! Mohnkuchen, direkt aus dem Ofen, Marillenkuchen und Heidelbeer-Topfenstrudel. Vor allem der Mohnkuchen war ein echter Traum…ich kostete aber nur, da ich ihn mir ja nicht „verdient“ hatte, beziehungsweise tats ein Kaffee auch. Ich wollte mir zumindest einbilden, dass er mich beim Abstieg der 1200 Höhenmeter ein wenig beflügeln sollte. Genau dieser Abstieg war extrem anstrengend, muskulär, aber es war super, einmal zu sehen, dass Laufen und auch meine Kraftübungen was taugen 🙂

Ziemlich erschöpft, aber bester Dinge wieder in der Hütte, stellte jeder seine eigene Biowaffe zum Vertreiben von Fremden auf die Veranda: Wanderschuh und Socken gehörerten eigentlich verbrannt, nach Gebrauch…. ausgiebige Reinigung folgte und dann ein gemütlicher, letzter Grillabend.

Das war mal die Heutalwoche. Und das war auch der Grund, weshalb ich internetlos nichts von mir hab hören lassen und weshalb ich jetzt mal die nächsten Tage eure Blog nachlesen muss. Aber so eine Zeit lange ohne jegliches Netz ist schon was Feines… probiert es mal. Am besten in den Bergen, da erkennt man erst, wie klein man selbst ist..

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6 Gedanken zu “Grün, grüner, Heutal!

  1. Ach, wie schön…schöne Bilder und schöne Wanderungen und überhaupt – aber ich stelle fest, du hast in meinem Blog nicht aufgepasst 😉 Mit der von mir aus!-gie!-bigst empfohlenen Fuss-Salbe hätten weder Socken noch Schuhe gemüffelt. Ich sag’s ja – die Kinder hören NIE zu 😉

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    1. Es war wirklich toll 🙂
      Mea culpa, mea culpa, Asche und Schande über mein Haupt! ich hätt den Burschen das mal empfehlen sollen – ich hab weniger Probs nachm Wandern, es dampflt nur – aber die, die produzieren Bio-Waffen 😉

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  2. Eine tolle Woche hattest Du da! Und schöne Bilder hast Du mitgebracht.
    Wir mache in diesem Jahr Urlaub im Allgäu. Ich bin mal gespannt, wie das wird. Auf jeden Fall ist nicht jeder Gipfel etwas für mich – Höhenangst vom Feinsten.
    Viele Grüße
    Bianca

    Gefällt 1 Person

    1. Wahrhaftig ein sehr schöner Urlaub! Bilder hätte ich noch Unmengen, eines schöner als das andere – wie auch anders, bei solch einer Landschaft.
      Das Allgäu würde mich auch sehr interessieren.. ich hoffe, es gefällt dir!
      Ich glaube, ich habe keine Höhenangst… sagen wir so, ich wüsste es wahrscheinlich, hätte ich sie – mir macht wirklich nur meine Trittsicherheit zu schaffen…
      Liebe Grüße!

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