Frühstück während des langen Laufs – Insekten oder Gel?

Ich pflege nüchtern zu laufen. Vielleicht ein bisschen Apfelsaft und Wasser vorher, oder ein Stückchen Banane, wenn es lange sein soll. Gestern habe ich bei einem langen Lauf einmal getestet, was ein Energie-Gel in meinem Magen anrichtet. Bisher war ich gel-jungfräulich, ich wusste nicht einmal, wie das Zeug schmeckt, oder welche Konsistenz es hat. Also, eingesteckt, und los!

Womit ich allerdings nicht in dem Ausmaß gerechnet habe, waren die Unmengen an Insekten, die während der sonnigen Passagen gegen meine facialen Strukturen geploppt sind; ich will auch gar nicht wissen, wie viele ich gefuttert habe…

Es war geplant, dass ich von Dienstag auf Mittwoch bei meinen Eltern übernachte. Das ist immer die perfekte Gelegenheit für einen schönen, entspannenden Lauf im Nationalpark Donauauen. Besonders frühmorgens ein Traum. Also, normalerweise. Kann auch sein, wenn ich um 5:30 Uhr aufsteh, dass ich das wirklich träume, aber schön ists eigentlich immer. Weil ich schon länger wieder einmal lange laufen wollte, hatte ich mir vorgenommen, meinen Trinkrucksack einmal auszuprobieren. Wen ich den schon teste, dann will ich auch dementsprechend lange laufen – dann kann ich, wie schon erwähnt, auch gleich schaun, ob ich diese Gel-Dingens während des Laufens vertrage.

Das Wichtigste, den Trinkrucksack, hatte ich natürlich vergessen, dafür hab ich wenigstens ein Gel-Gatschsackerl eingesteckt. Zum Glück war es ein Hydro-Gel (PowerBar Hydro-Gel – keine Werbung, das is nur das Zeug, das ich zur Verfügung hatte 😉 ), bei dem man keine weitere Flüssigkeit einnehmen muss, um es runter zu bekommen. Das musste aber noch ein bisschen in meiner Rückentasche warten, wo es eher unangenehm, weil sehr groß, herumschlubberte und -schwappte.

Um 6 Uhr morgens gings dann los – ab in meine Laufschuchis, Käppi auf die Rübe, Uhr umgeschnallt, Bekleidung nicht vergessen, Kaugummis einschieben und hoppauf!

Kaum ist man umringt von Laubbäumen, taucht man in herrlich kühlen Schatten ein… Ich galoppelte also ein Weilchen vor mich hin, im Kopf schon alle übrigen Umzugskarton aus- und einpackend, Reisen planend, Zukunftsgedanken wälzend, bis ich zum Uferhaus kam und dort einfach einmal auf die Karte der Lobau schaute. Mir fiel zum ersten Mal auf, dass man nur wenige Meter weiter, von dem Punkt, wo ich stand, in einen ganz anderen, mir noch unbekannten und unbelaufenen Teil des Waldes kommen konnte. Long run, Zeit? Auf geht’s!

http://www.donauauen.at/experience/self/lobau/17943
http://www.donauauen.at/experience/self/lobau/17943

Nach den ersten beiden Kilometern waldigen Weges tat sich eine schöne, sonnige Allee auf, mit Wiesen und Feldabschnitten links und rechts. Ab dem Moment, in dem mein Laufschuh ein Sonnenfleckerl betrat, ging eine Armada an Insekten auf mich nieder. Ich hörte nur noch Summen nahe meiner Ohren. Es vergingen keine zwei Schritte, bei denen ich nicht mindestens zwei Viecher an meine Wangen klatschen spürte, sich Minimücken in meine Augen verirrten und rausgepopelt werden wollten, und irgendwelche großen Flugtiere gegen meine Lippen ploppten. Ich wollte so schnell wie möglich aus der Sonne und lief schneller. Zu dumm nur, dass man dann schwerer atmet, was bei mir voraussetzt den Mund aufzumachen oder blau anzulaufen und umzufallen. Nom. Fliegen im Kaugummi. Legga.

Nach 1,5km war der Spuk vorbei, ich angepisst und nur froh, wieder im Schatten, zwischen den Bäumen zu sein, wo es dem Getier wohl noch zu unbequem war.

Der Weg führte mich weiter, bis an den Hubertusdamm. Den wollte ich dann aber wirklich nicht entlanghoppeln – lange, gerade Asphaltstrasse macht nicht echt Laune. Zu dem Zeitpunkt hatte ich vergessen, dass ich dann aber nochmal die tierische Allee lang musste. Die fiel mir erst wieder ein, als ich um entsprechende Ecke bog und den Weg, von Bäumen gesäumt, in der Sonne liegen sah.

Wortwörtlich Augen zu und durch. Ich legte einen langen Sprint ein (oder sowas ähnliches) aber blieb trotzdem nicht verschont. „Plopp plopp Srrrrrrrrrr Summm… Plopp Klatsch“. Mir tränten die Augen, aber nicht nur von all den Fliegerl, die drin unfreiwillig landeten (was machen die Vögel bitte, die sollen da mal zuschlagen und sich vollfuttern!), sondern weil ich so unglaublich zornig und genervt war! Ich blieb kurz stehen und führte einen Rumpelstilzchentanz auf, fluchte wie ein Fiaker und lief weiter, bis in den erlösenden Schatten. §#@%$&!!! Der Lauf war definitiv nicht vegetarisch.

Wieder beim Uferhaus angekommen, hatte ich schon mal 12 Kilometer voll. Zeit, den Gel-Gatsch zu testen, v.a merkte ich, dass meine Konzentration weitestgehend weg war. Also, Zeitpunkt sollte ideal sein.
Das Packerl herauskletzeln und dann den Verschluss öffnen war noch die geringere Herausforderung. Aber das visköse Zeug da rauszuquetschen und rauszuzutzeln war dann Arbeit. Die Konsistenz war nicht gelartig, sondern flüssiger (sonst würds ja auch nicht „Hydro“ heissen) und der Geschmack war. Erm. Gewöhnungsbedürftig. Sehr süß, orangig..aber wie abgestandener O-Saft, den man etwa 5 Minuten im Mund lässt, ohne ihn zu schlucken. Kommt wohl am besten hin. Mein Magen merkte zwar, dass war picksüßes ankam, aber er muckte nicht auf und ich hatte sonst auch keine Probleme damit. Einige Minuten nach Konsumation des überaus deliziösen Matsches merkete ich allerdings, dass meine Konzentration zurückkehrte und jeder Laufschritt wieder beschwingter wurde. Ob das Placebo oder ein echter Effekt war – who knows. Zumindest weiß ich jetzt, dass das Produkt schon mal mit Vorbehalt funktioniert, sollte ich je wirklich soetwas benötigen.

Auf bereits belaufenen Wegen ging es weiter, quer durch die Lobau, mit dem weiteren Zwischenziel, den Trinkbrunnen bei der Saltenstraße zu erreichen, bevor ich nicht mehr genug Spucke für Kaugummi hab. Also, ich nehme an, dass es ein Trinkbrunnen ist. Sonst hab ich bis jetzt schon zwei Mal meinen Immunsystem einen massiven Schubs gegeben. Außerdem schmeckt das Wasser gut *schmoll*

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Bei Kilometer 19 in etwa kam ich bei besagtem Quell an, benetzte meine Arme, Beine, machte mein Kapperl nass, wusch mir die Salzkristalle vom Gesicht und trank einige Hände voll. Dann gings weiter. Das tat echt gut, die Temperaturen von mittlerweile 27 Grad ließen alles wieder schnell trocknen, aber die ersten Nordic Walker, die mir entgegen kamen blickten mich entgeistert an. Vermutlich wunderten sie sich, wie so ein kleines Mäderl sich SO nassschwitzen kann, hehe. Die Füße waren nochmal eine Spur leichtfüßiger, auch wenn ich schon 2 Stunden etwa unterwegs war. Langsam, aber das war egal. Ich genoß noch die letzten Paar Wegbiegungen, und staunte wieder, wie schnell der Auwald einer steppenähnlichen Wiese weichen konnte, dann wieder einem Schilfgürtel und schon wieder dichter Laubwald. Faszinierend, wie viele verschiedene Vegetationsräume sich auf dem kleinen Fleckerl Nationalpark befinden können.

Dann ging es aber wirklich schon dem Ende zu, und nach 23,01 Kilometern konnte ich meine Uhr pausieren. Ich benötigte 2:30 Stunden dafür, also ganz schön lange, aber ich will ja nichts übertreiben und ich habe es wahrlich genossen. Ich bin ziemlich stolz auf mich, muss ich wieder mal sagen! 🙂

Überraschenderweise haben mir meine Beine meinen bisher längsten Lauf kein Bisschen übelgenommen. Sie beschweren sich nicht; vielleicht, weil sie mit Steinöl eingeschmiert wurden und gedehnt und geblackrolled wurden. Mir solls recht sein, ich versuch nur, nett zu ihnen zu sein.

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10 Gedanken zu “Frühstück während des langen Laufs – Insekten oder Gel?

    1. Solange man danach nicht aussieht, als hätte man Mohn gegessen 😉
      Hmm… Riegel sind sicher fupa, wenn man was zu trinken dabei hat. Ich mampf mich zum Glück gern überall durch, hehe… und vielleicht fabrizier ich ja mal was Brauchbares selbst.

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  1. Glückwunsch zu deinem bisher längsten Lauf, braves Mädchen – hast du gut gemacht – trotz widriger Verhältnisse.

    Zum Gel: ich hasse diese Dinger, habe sie ein paar Mal widerwärtig zu mir genommen, alleine das Gefummel, dann das eklige süße Babbzeug – nein – Danke .

    Wenn ich dir einen Tipp geben darf : https://ultraistgut.wordpress.com/2012/04/25/die-laufsaison/ kostengünstig, leicht transportierbar, lecker und erfüllt den gleichen Zweck – YES !

    Bis dahin – kannst echt auf dich stolz sein, wenn es schon keiner sagt ! 😉

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    1. Vielen Dank 🙂 Ich freu mich auch, darf mich nur nicht auf meinem trainingslorbeerigen Popsch ausruhen…nur soviel, wie mein Körper zum Regenerieren braucht, natürlich.

      Oh, Rosinen? Daran hab ich noch gar nicht gedacht – Wenn ich nicht am Kaugummi erstick, dann werd ich Rosinen auch gut essen können. Super Tip! Sonst will ich auch einmal probieren, mir so einen Pampf selbst zu machen. Auch rein aus der Freude am Experiementieren; insbesondere, da ich keine Ahnung hab, wann ich zusätzliche Energie wirklich brauch… aber zu viel Geschwafel! Kurz: Danke vielmals 🙂

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