Einmal ins Grüne, aber zum Mitnehmen, bitte! – Sofienalpe

Nach drei wirklich anstrengenden Wochen, in denen ich keinen einzigen Tag ohne eine Erledigung, Umsiedelungsräumarbeit oder einen Termin oder sonstige Aufgabe verbringen konnte, durfte mein innerer Wecker heute zum ersten Mal einen solchen ungebundenen Tag einläuten. Kein Termin, kein Besuch, keine geplanten Vorhaben – nur das, worauf ich Lust habe.

Das bedeutete, um 6h aufstehen, gemütlich Kaffee trinken und einmal überlegen, was ich denn gerne machen würde. Das setzte auch eine Überprüfung des Wetterberichtes voraus: sonnig, maximal bis 27 Grad. Ideal, um Aktivitäten nach draussen zu verlegen. So richtig überzeugen konnte ich meinen trägen Leib doch noch nicht, sodass ich noch etwas auf der Couch herumkugelte. Als ich dann aber den morgigen Tag wettermäßig checkte (und Frau Mohrs Blogeintrag las 😉 ), war ich recht schnell in meiner Wanderhose – sooo bequem, wie eine Pyjamahose ❤ – hatte mein Rucksäckchen mit der Trinkblase und zwei Müsliriegel gepackt und meine Trailschuchis übergestreift.

Es sollte auf die Sofienalpe gehen, wofür ich gemütliche 15 Kilometer einplante. Die Zeit war mir, ob meiner erquickenden Terminlosigkeit, schnurzpiepegal.

Zuerst einmal auf, zur Knödelhüttenstraße, und von dort aus ein Stückchen dem Stadtwanderweg 8 folgend. Das hätt ich beibehalten sollen. So würde mir der Wanderweg später wieder begegnen. Aber nicht, ohne vorher Verstecken zu spielen.

In der Zwischenzeit bin ich einfach einmal in das satte Grün des Laubwaldes eingetaucht, Schritt für Schritt herumwandernd, bis…ja, bis der Weg einfach futsch war. Nein, Moment, nicht ganz futsch. Wo der Weg gehen sollte, war ausnahmsweise kein abgefallenes, braunes Laub, sondern Grasbüschel ließen den ursprünglichen Pfad erahnen. Nagut, dann einfach mal dem grünen Streifen folgen.
Ich traf tatsächlich wieder auf einen Weg – allerdigs eine MTB-Strecke. Diese hat mir echt mal wieder gezeigt, dass Mountainbiking wirklich nichts für mich is. Der Weg war rutschig, steil! und mit losen Steinen übersät, die nur von einzelnen Wurzeln vorm Runterkullern abgehalten wurden. Ich war kaum in der Lage, dort hinunter zu schlittert, aber wie schaffen es Radeln da rauf und runter? Unbegreiflich für mich, die gerade mal auf einer ebenen Strecke fahren kann…

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ein bisschen Blair Witch Project gefällig?
ein bisschen Blair Witch Project gefällig?

Wie dem auch sei, nach einer gefühlten Ewigkeit, die ich auf dem rutschigen Singletrail verbrahct hab, war ich unten: auf der Mauerbachstrasse. Da ich eine Strecke testen wollte, die ich in einem Buch gefunden hatte, bin ich einige Zeit entlang dieser Strasse entlang geschlendert, wurde von mehr als einem Rennradfahrer doof angemacht und angepfiffen, und bog letztendlich auf die Sofienalpenstrasse ein. Fehler. Also, kein Fehler im Fehlersinn – laut Buch-Streckenbeschreibung sollte das passen…aber es fühlte sich falsch an. Kurvige, befahrene Straße, ohne Gehweg, oder Ähnliches… nope, nicht schön zu gehen. Die Gegend war sehr schön, richtige Anwesen, Wald…aber ungute Straße, die ich nicht weiter wollte. Das führte zu einem abrupten Umkehren und einigen Kilometern zurück. Ich hatte im Kopf, dass der Stadtwanderweg No. 8 irgendwo die Mauerbachstraße tangierte..und genau diese Stelle suchte ich dann auch. Ohne Internet, da mein Empfang angenehmerweise weg war. Meine Laune sank, mein Zuckerspiegel lief da wohl simultan, und ich verzagte zunehmend, weil ich mich dem Ausgang der MTB Strecke, die ich sicher nicht mehr raufgehen wollte, näherte. (Da man kaum raufrutschen oder raufkugeln kann, hätte ich nicht echt gewusst, wie ich da raufkraxeln hätt sollen, auch wenn ich müssen hätt).Schon überlegend, wie ich denn wieder Richtung Hütteldorf kommen könnte, tat sich vor mir plötzlich das Schild „Stadtwanderweg 8“ auf! Ok, nicht sehr plötzlich, es steht wohl schon länger da, und ich habs auch schon aus einiger Entfernung gesehen, aber das „plötzlich“ hatte sich so angeboten…

Wie dem auch sei, ein Weg, ein beschildeter! Müsliriegel raus, jetzt wird gefeiert! Und gut wars, dass ich das getreideteil gemampft hatte, der Weg war auch nicht unsteil, aber gut zu gehen, wieder im Wald, auf einem Forstweg, und ruhig. Richtig schön zu gehen. Wenn mein Masochismus wieder durchschlagen sollte, dann werd ich mich da auch mal laufend hinverirren. So zog sich der Aufstieg dann ein Zeiterl. Kleine Pfade wichen vom Hauptweg ab, die mich sehr neugierig werden ließen, wo sie denn hinführen würden…aber auch das will ich mir fürs Laufen aufsparen.

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Oisdann, nach ein paar Höhenmetern und ein paar Zuzlern aus meiner Trinkblase tat sich dann eine weitläufige Wiese auf, an deren Ende die Mostalm stand. Diese als Gaststätte deklariert, lud zum Verweilen ein, aber ich spazierte schnurstracks daran vorbei, sie aber im Hinterkopf behaltend, für spätere Ausflüge. Immer weiter, aber diesmal nicht im Wald, sondern auf einem Schotterweg, gesäumt von Büschen, ging es, bis sich die Büsche zur Seite verabschiedeten und den Blick auf eine weite Ebene freigaben: ich war auf der Franz-Karl-Fernsicht angelangt. Von dieser aus konnte man große Teile des Grüngürtel Wiens bewundern, und, so wie ich das tat, einen weiteren Müsliriegel wie von Zauberhand verschwinden lassen. Meine zusätzlich eingesteckte Camelbakflasche rief mir wieder ins Gedächtnis, dass man keine Kohlensäurehaltigen Getränke hineinfüllen sollte. Kaum auf das Ventil gebissen, sprutzte mein Getränk heraus und fast hätten meine Bronchien auch ein bisschen was abbekommen. Oder meine Nebenhöhlen. Oder die Aussenwelt.

Karl-Franz-Fernblick
Franz-Karl-Fernblick

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Die nächste Station des Wanderweges, den ich mich nun entschloss, einfach weiterzugehen, führte mich zum Gasthof „Sofienalpe“. Auch diesen habe ich nicht heimgesucht, sondern nur in meinem Hinterstübchen vermerkt. Hier wäre ich auch angekommen, wenn ich hardcore der Asphaltstrasse gefolgt wäre. Vorausgesetzt, kein Auto oder Radlfahrer hätt mich zamgscheibt.

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Daran vorbeitrabend bog ich noch einmal ab, immer dem 8er-Schild folgend. Der Weg verlief nun bergab, steinig wechselte sich mit erdig ab, und bereitete Freude beim Wandern. Es kam mir niemand entgegen, es überholte mich niemand, nur ich, die Bäume, Viecherl, die im Gebüsch herumraschelten und….nach einiger Zeit Ponies. Ich gelangte zu einer Koppel und kam an einem Ponyhof vorbei, aber weiter gings. Keine Zeit für running liver cheese. Meine Beinchen wurden müde, und ich hungrig. Schlechte Kombi im Normalfall, aber ich war so beschwingt von der mir noch unbekannten Landschaft, dass ich das gekonnt ignorierte. Ich erschrak nur einmal, als sich ein vermeintliches langes, dünnes Ästchen blitzschnell vom Weg wegschlängelte. M’kay. Bye bye Schlange. War by the way eine Äskulapnatter. Ungiftig, ungefährlich, aber mit deutlich über einem Meter Länge recht stattlich, will ich mal meinen.

Kurz nach dieser etwas anderen Begegnung gelangte ich auch schon wieder in den Bereich, nahe der Knödelhüttenstrasse. Ende vom Gelände, aus die Maus, aber heim musste ich dann doch noch etwa 5 Kilometer gehen. Auf die, durch die Straßen, hatte ich wenig Lust, aber sie störten mich auch nicht sonderlich. Da hatte ich noch gut Gelegenheit mir auszumalen, was ich kochen könnte 😉

Alles in allem wars eine sehr schöne Runde, in einem Gebiet, das mir noch gänzlich fern lag. Es ist erstaunlich, wie viel, aber auch wie wenig man auf 22 Kilometern so denken kann. Anfangs ist der Kopf noch aufgescheucht, wie ein Hendl, und schiebt ein bisschen Panik wegen jedem Schmarrn…und überlegt auch andauernd, was denn die Leute von einem Mädl denken könnten, das alleine in der Gegend herumstiefelt; aber nach einiger Zeit wird’s ruhiger im Kopf und man hat das Gefühl, dass im Hinterstübchen Probleme ohne eigenes Zutun gelöst werden. Das Vorderstübchen ist auf Pause.

Fein wars. Gern nochmal. Nur ohne Tibialis-posterior-Sehnen-Schmerzen am Fuß, bitte.

Und jetzt: Her mit der Blackroll und dem Tiroler Steinöl. Muhaha!

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3 Gedanken zu “Einmal ins Grüne, aber zum Mitnehmen, bitte! – Sofienalpe

  1. Irgendwie ist mein Hirn zwar bei der Kombination „Nur machen worauf ich Lust habe.[…]..um 6 Uhr aufstehen“ zusammengezuckt, aber da hat der frühe Vogel ja nun tatsächlich ’nen Superwurm gefangen 😉
    Grandios, da hätte ich bestimmt auch meine Freude dran gehabt, tolle Bilder!
    Und das Gefühl, dass nach dem Wandern der Hirnkasten wieder schön aufgeräumt ist, kenne ich auch. Ich glaube, wenn ALLE Menschen wandern würden, dann…ach nee, dann wäre der Wald zu voll. Auch nicht gut.

    Gefällt 1 Person

    1. Jaa, der frühmorgendliche Wurm hat hier definitiv einen eigenen Vogel. Jetzt hab ich aber verdunkelnde Vorhänge in meinem Schlafzimmer, mal schaun, ob das Auswirkungen hat 😉
      Wenn sich alle benehmen beim Wandern, dann dürfern gern alle wandern gehen. Aber bitte da wo ich grad nicht bin 😉

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